Die Zustände im Innern wurden immer trostloser. Das Land war durch die vielen Kriege erschöpft und von Parteiwirren zerfleischt. 1688 wurde zum erstenmal der Reichstag 1688 schon vor der Wahl des Marschalls zerrissen, und zwar durch die französische Partei. Die Bemühungen des Königs, seinem Sohn Jakob die Thronfolge zu sichern, waren vergeblich. Die Heirat Jakobs mit einer reichen Radziwill wurde ebenso hintertrieben wie die mit der Prinzessin Hedwig von Neuburg, die von österreichischer Seite angeboten war. — In beiden Fällen verbot der Reichstag auf Betreiben der französischen Partei die Eheschließung, um den König nicht zu mächtig werden zu lassen. Es war dieselbe Politik, die einst in Deutschland mit der Wahl Adolfs von Nassau und anderer Könige mit geringer Hausmacht verfolgt worden war. Dreimal bildeten sich sogar Vereinigungen zur Absetzung des Königs. Die Regierung Sobieskis hat auch den Ruhm, das erste Autodafé in Polen vollzogen zu haben: Kasimir Łyszczyński, des Atheismus angeklagt, war das Opfer.

Die letzten Regierungsjahre füllte der große Kriegsheld mit der Vergrößerung seines Vermögens aus; in den Mitteln war er nicht wählerisch, ebensowenig wie die Königin, deren Streitigkeiten mit ihrem Sohne Jakob einen europäischen Skandal hervorriefen. Es ist ein häßliches Bild tiefster Demoralisation, das sich unseren Blicken bietet. Nichts charakterisiert die Zustände besser, als die durch die Sapiehas verursachten Wirren. Als reichste Herren Litauens versuchten sie, dort die absolute Gewalt an sich zu reißen, um das Land zu terrorisieren und die Krone zu erreichen. Der Bischof Brzostowski von Wilna und das Haus Kryszpin traten ihnen entgegen, worauf das Heer, das seinem Hetman Sapieha folgte, zu Gewalttätigkeiten überging. Der Bischof bannte den Hetman, aber der Primas hob den Bann wieder auf. Auf dem Reichstage von 1695 (schon der von 1695 1693 war mit der Angelegenheit beschäftigt gewesen) erschien Sapieha mit genügender Mannschaft und beschuldigte den König und den französischen Gesandten, die Frechheit des Bischofs angestiftet zu haben.

Die einzige erfreuliche Erscheinung im inneren Leben war 1692 der Übertritt des Bischofs von Przemyśl mit 1692 seiner Diözese zur Union, die Folge der Abtretung von Kijew mit dem Metropolitansitz an Rußland und der Bemühungen des Königs. Den Übertritt der übrigen orthodoxen Diözesen, der zwischen 1700 und 1702 erfolgte — nur Mohilew blieb beim Schisma —, erlebte Sobieski ebensowenig mehr wie den Ausgang der Sapiehaschen Wirren und die Beendigung des Türkenkrieges. 1696 ist 1696 er in seiner Schöpfung, dem Schlosse Villa nova (Wilanow) bei Warschau, gestorben, 66 Jahre alt, nachdem er dasselbe hatte durchkosten müssen, was er seinem Vorgänger bereiten half. Trotz seinen Kriegstaten, deren Ruhm durch ganz Europa hallte, hat er das Königtum um den Rest von Ansehen gebracht, den es in Polen noch besaß.


[Fünftes Buch.]
Der Untergang.

17. Kapitel.
Das kursächsische Zeitalter.

Die Vorgänge, die zur neuen Königswahl führten, sind wohl das Unsittlichste und Widerlichste, was in dieser Beziehung in Polen geleistet wurde. Die Kandidaten, die zunächst in Betracht kamen, waren Jakob Sobieski, von Österreich unterstützt, und Ludwig de Conti. Die Krone aber gewann keiner von beiden, sondern derjenige, der zuletzt als Bewerber auftrat und noch volle Taschen hatte, als die anderen nicht mehr genug Geld zur Bestechung besaßen, Friedrich August der Starke, Kurfürst von Sachsen. Der Primas nominierte zwar Conti, aber die sächsische Partei, der auch die Anhänger Jakobs zugefallen waren, ließ durch den Bischof von Kujawien Friedrich August ausrufen. Da er schon an der Grenze mit einem Heere bereit stand, so rückte er sofort ins Land und ließ sich durch den Bischof von Kujawien in Krakau krönen. Conti, der mit einer Flotte vor Danzig erschien, gab seine Sache verloren und kehrte nach Frankreich zurück.

Friedrich August, als König von Polen August II. genannt (1697–1733), gewann auch seine Gegner bald 1697 bis 1733 durch reichliche Geldspenden. Er war in den despotischen Traditionen eines mittleren deutschen Hofes, der in politischer wie sittlicher Beziehung seinen höchsten Ehrgeiz in die Nachahmung des „Sonnenkönigs” setzte, großgeworden und nicht gewillt, diesen Traditionen zu entsagen.

Um die Königskrone zu erlangen, hatte er sein Land ausgesogen und den Katholizismus angenommen. Nicht nur war er durch den Übertritt der Tradition seines Hauses untreu geworden, sondern auch jeder Aussicht auf die Führung im evangelischen Deutschland hatte er damit entsagt. Ob die Sachsen empfanden, welche Kriegsschäden und welche Steuerlasten ihnen aus dieser Krone erwuchsen? Als der Dankgottesdienst für die Erhöhung abgehalten wurde, da sangen die Dresdener trotzig: „Ein' feste Burg ist unser Gott”! Aber die Mißstimmung in Sachsen war dem neugebackenen König einerlei, und vollends für die deutschen Aufgaben seines Hauses hatte er nie Sinn gehabt. Aber ebensowenig Sinn hatte er für seine Aufgaben in Polen. Ohne Liebe kam er ins Land, und um seiner eitlen Titelsucht zu genügen, hat er es dreimal verraten, indem er die Teilung vorschlug. Doch muß man anerkennen, daß er auf dem richtigen Wege war, als er den Absolutismus in Polen einzuführen suchte. Nur freilich war er nicht der rechte Mann dazu, sondern er vergriff sich in der Wahl seiner Mittel.