Mitidika! Mitidika!
Wien üng quatsch
Ba nu, ba nu n'am tsche fatsch,
Hör', was pocht dort an der Tür?
Draußen schrei'n sie nach Quartier.
Ist's der Er?
Ist's der Sie?
Mach' ich auf wohl nimmermehr,
Nur du Lieber, du schläfst hie.

Mitidika! Mitidika!
Wien üng quatsch
Ba nu, ba nu n'am tsche fatsch,
Waja, waja Kur libu,
In dem Topf hat's nimmer Ruh';
Saus und Braus,
'Rab und 'rauf',
Küchenteufel drinnen haus':
Daß es mir nicht überlauf'.««

Als der Feuerwerker den Anfang dieses Liedes: Mitidika! Mitidika! gesagt, nahm der Zigeuner Michaly seine Violine und sang es unter den lieblichsten Variationen der Gesellschaft vor: Alle dankten ihm, der Feuerwerker aber sagte: »Michaly, du sangst das nämliche Lied, wie die kleine Braune, und hast eine Ähnlichkeit mit ihr in der Stimme.« »Kann sein,« sagte Michaly lächelnd. »Aber erzähl' nur weiter, ich bin auf den wilden Jäger sehr begierig.« »Ich hob a a Schneid' uf den soakrische Schlankl,« sagte der Tiroler. Alle drangen auf die weitere Erzählung, und der Feuerwerker fuhr fort:

»Als die Kleine das Lied sang, ward sie von einem Schlage gegen die Tür unterbrochen: »Mitidika!« rief es draußen mit einer rauhen, heiseren Stimme. »Gleich, Großmutter!« antwortete sie, öffnete die Tür und erzählte ihr von den Gästen. Die Großmutter brummte allerlei, was ich nicht verstand, und trat sodann zu uns in die Stube. Ihr Schatten sah aus wie der Teufel, der sich über die Leiden der Verdammten bucklicht gelacht, und wäre er nicht vor ihr her in die Stube gefallen, um einen ein wenig vorzubereiten, ich hätte geglaubt, der Alp komme, mich zu würgen, als sie eintrat. Sie war von oben und rings herum eine Borste, ein Pelz und eine Quaste, und sah darin aus wie der Oberpriester der Stachelschweine. Sie ging nicht, lief nicht, hüpfte nicht, kroch nicht, schwebte nicht, sie rutschte, als hätte sie Rollen unter den Beinen, wie großer Herren Studierstühle. Wie die kleine flinke Braune hinter ihr drein und um sie her schlüpfte, um sie zu bedienen, dachte ich: So mag des Erzfeindes Großmutter aussehen, und die Schlange, ihre Kammerjungfer.

»Mache mir das Bett, Mitidika!« sagte sie, »und wenn ich ruhe, kannst du die Gäste besorgen.« Während das Mädchen die Kissen aufschüttelte, begann die Alte sich zu entkleiden, und ich weiß nicht zu sagen, ob ihre Kleidung oder ihr Bett aus mehreren Stücken bestand. Sie zog einen Schreckenswams, eine Schauderjacke und Zauberkapuze um die andere aus, und die ganze Wand, an der sie die Schalen aufhängte, ward eine Art Zeughaus. Ich dachte alle Augenblicke: noch eine Hülse herunter, so liegt ein bißchen Lung' und Leber an der Erde, das frißt die Katze auf, und die Großmutter ist all; keine Zwiebel häutet sich so oft. Bei jedem Kissen, welches die Kleine ins Bett legte und aufschüttelte, brummte die Alte und legte es anders, und befahl ihr dann, es ganz sein zu lassen und ihr ein Rauchbad zu geben: sie müsse in einen Ameisenhaufen getreten haben, das Gewitter mache alles Vieh lebendig. Da setzte sich die Alte auf die zerbrochene Leiter und hängte die tiroler Decke über sich, und die Junge zündete Kräuter unter ihr an und machte einen scheußlichen Qualm, den sie uns, da sie von neuem anfing, die Federbetten hin und her zu werfen, in dicken Wolken auf den Leib jagte, als gehörten wir auch zu den Ameisen, die vertrieben werden sollten.

Es sah ziemlich aus, als wenn man eine Hexe verbrennte oder einen ungeheuren Taschenkrebs räuchre, als die Alte so über dem Dampfe wie eine Mumie, in den bunten tiroler Teppich gehüllt, auf der Leiter saß.« – »Da sieht man, Wastl,« sprach der Zigeuner zu dem Tiroler, »wozu ihr die Teppiche fabriziert: um die Hexen darin zu räuchern.« »Potz Schlackri,« erwiderte Wastl, »wonns daine sakrische ziganerische Großmuetta is, so loß is poassira, i bin gawis, es möga a Legion Spodifankerl aus ihr raussi floga sein, un du bist a ains dervo.« Die Gesellschaft lachte über Wastls Antwort, und die Kammerjungfer, wie auch Lindpeindler, baten den Feuerwerker: er möge machen, daß die Alte ins Bett komme, die Schnepfen könnten übergar werden. »Ganz recht,« sagte Baciochi, »das meinte Martino auch, denn als der sie in der Decke zappeln sah, wie Hunde und Katzen, die in einen Sack gesteckt sind, und der Rauch zu dick zu werden begann, sprang er vom Stroh auf, trat vor die Alte hin und sagte: »Hochverehrte Frau Wirtin, ich versichere Euch im Namen Eurer Gäste, daß wir kein Rauchfleisch zu essen bestellt haben, und daß wir auch von keinem verpesteten Orte kommen, um eines so kostbaren Rauchkerzchens zu bedürfen; seid so gütig, dem Wohlgeruch ein Ende zu machen, wir müssen sonst mit all den Ameisen, die euch plagen, davon laufen.«

Da fing die Alte eine weitläufige Gegenrede an und sagte: »Schicksale und Verhältnisse haben mich so weit gebracht.« Martino aber nahm keine Vernunft an, packte die Alte mit beiden Händen, und warf sie von der Leiter in ihre Federbetten. Sie zappelte wie eine Meerspinne, aber er wälzte ein Federbett über sie, und sang ihr ein Wiegenlied mit so viel gutem Humor vor, indem er sie mit beiden Händen festhielt, daß sie endlich selbst mitlachte und sagte: »Nun, legt Euch nur wieder nieder, hätte ich doch nicht gedacht, heute von einem so lustigen Gesellen zu Bette gebracht zu werden. Mitidika, gib den Kavalieren zu essen!« und somit kriegte sie den Martino beim Kopf, und gab ihm unter großem Gelächter einen Kuß. »Profiziat!« sprach dieser, »schlaf wohl, du allerschönster Schatz!« und legte sich mit einem sauern Gesichte wieder neben mich.

»Gott sei Dank, Martino, daß sie weg ist!« flüsterte ich. »Hast du gewacht, Meister?« sprach der Schelm. »Leider Gottes!« erwiderte ich, »du hast ein Kunststück gemacht; sie raucht wie ein nasses Feuerwerk; für einen Hutmacher wäre sie ein sauberes Gestell, alle seine Mützen daran aufzuhängen, er brauchte keinen Nagel einzuschlagen.« »Ich werde mich wohl häuten müssen, da sie mich geküßt hat,« sagte Martino. »Warum?« fragte ich. »Ei,« entgegnete er, »ich werde sonst die Augen nie wieder zukriegen können und die Zähne immer blecken wie ein Mops; die Haut ist mir vor Schrecken zu kurz geworden.«

Unter diesen Scherzreden hörten wir die Alte einschnarchen. Mitidika ging ab und zu, und verbaute leise das Bett der Alten mit der Tonne und mit der Türe; die Küchentüre ließ sie auf, daß der Dampf hinaus zog. Dann zupfte sie den Martino bei den Haaren und flüsterte: »Komm hinaus, deine Schnepfen sind gar, ich habe die Brühe abgegossen, ich muß das Feuer löschen, die zwölfte Stunde naht, denn fährt der wilde Jäger mir durch das Feuer, steckt er uns die ganze Hütte an.«

Martino ging hinaus, und ich streckte den Kopf nach der Tür und hörte ihre Scherzreden. Mitidika sagte: »Ich habe dir deine Vögel trefflich gekocht und dir auch Kräuter an die Suppe getan, was gibst du mir nun?« – »Geben?« sagte Martino, »ich will dich mit der Münze bezahlen, welche hier zu gelten scheint, und in der mich deine Großmutter bezahlte; einen Kuß will ich dir geben.« »Das läßt sich hören,« erwiderte sie, »aber die Großmutter gab dir ein altes Schaustück, das kann ich nicht brauchen, die Münze ist verschlagen.« »Auch du bist verschlagen, Schelm!« erwiderte Martino, »ich will dir kleine Münze geben, wenn du herausgeben und wechseln kannst; wärst du nur nicht so schwarz!« »Und du nicht so weiß,« sagte sie. »Ich werde dir einen Schein geben, einen Wechsel schwarz auf weiß, aber gib mir keine Scheidemünze!« sagte sie. »Die kriegst du morgen früh beim Abschied,« erwiderte Martino, faßte sie beim Kopfe, küßte sie herzlich, und sagte: »Ich habe dich lieb und bleibe dir treu.« »Ei so lüge, daß du schwarz wirst!« sprach sie. »Dann wäre ich deinesgleichen und es könnte etwas daraus werden,« sprach Martino, und schenkte ihr eine Nadelbüchse von Elfenbein und Ebenholz, die er bei sich trug. Das Mädchen dankte und sprach: »Sieh, wie artig schwarz auf weiß zusammen aussehn; bleib bei uns, wenn die Alte stirbt, finden wir den Goldtopf und kontrebandieren.« »Ja, auf die Galeere!« sprach Martino. »Ich gehe mit auf die Galeere!« sagte sie; »pitsch, patsch! geht das Ruder, und ich singe dir dazu.« »Das wollen wir überlegen,« meinte Martino, »es ist eine zu glänzende Aussicht um Mitternacht.«