Liebvoll löst sie ihre Flechten,
Teilt die Locken sich am Nacken,
Bildet draus am warmen Herzen
Für das Mägdlein weich ein Lager.
Setzt sich an des Bildes Schwelle
Mit dem süßen Wunderpfande
Und spricht fromm: "O Stern des Meeres,
Lasse mich dies Kind erlaben!"
Und nach ihren Brüsten wendet
Sich das Kind und findet Gnade;
Die es lebend hielt in Wellen,
Gab barmherzig ihm die Amme.
Alle die keuschen Lebensquellen
Über ihrem Herzen wallen,
Muß sie süße Blicke senken
Zu dem Kind in Mutterarmen.
Und dann singt sie; schlummerwebend
Tönt das Lied und rauscht das Wasser,
Und es wandeln Mond und Sterne
Leise, daß das Kind entschlafe.
"Da der Morgen wiederkehrte,
Lag ich in kristallner Kammer;
Auf der weichen Purpurdecke
Spielten goldne Sonnenstrahlen.
Und am Mittag wiegt Sirene
Mich in glatten Muschelschalen,
Und ich schlief bis sie mich weckte
Mit Gesang und süßer Harfe.
Rötet Abendlicht die Welle,
Trug sie mich in Mutterarmen
Zu dem Bilde, für mein Leben
Der Gebenedeiten dankend.
Wenn um Mitternacht die Sterne
Sinnend in dem Meere schwankten,
Flocht mir durch den Traum Sirene
Ihrer Lieder heilge Schlangen.
Also in dem Land des Lebens
Und in Andacht schon erwachsen,
Nannte sie das Kind Biondette
Ob der goldnen Flut des Haares.