Da er so versäumt die Stunde
Von der Kunst des Liebestrankes,
Will er eilen zu dem Brunnen,
Wo der Trank lebendig wallet.
Trunken schlugen seine Pulse,
Da er ihrer Wohnung nahet;
Wie durch dunkle Grüfte, rufend
Sich, verwandte Quellen wandeln,
Sich in ewiger Unruh suchen,
Aber fest in Stein gefangen,
Murmelnd ungeduldig sprudeln,
Können nicht zusammenfallen.
An Biondettens Fenster duftet
Einer blühnden Linde Schatten,
In den Zweigen gehn zur Schule
Gern die süßen Nachtigallen.
Lauschen in den Dämmerungen
Auf der Jungfrau Sang und Harfe,
Wenn die Meisterin verstummet
Wiederholen sie es lallend.
In Bewundrung ganz betrunken
Singt das Bölklein durcheinander,
Die Studentlein ohne Ruhe
Mit dem Federmantel schlagen.
Oft auch mischt ein frecher Kunde
Drein den ungewaschnen Schnabel,
Und die Sänger all im Sturme
Fassen, rupfen ihm den Kragen.
Und entflohn zum nahen Turme
Lehrt der Star die andern Stare
Eines höhern Standpunkts Schule,
Gründend auf der Wetterfahne.
Klagt auch, daß die andern drunten
Seine Hauptideen stahlen,
Macht ein kunterbunt Gemunkel,
Läßt in alle Welt es tragen.
Doch in den Begeisterungen
Weiß die Jungfrau nichts von allem,
Sie hat nur vor Gott gesungen,
Lauschen gleich die Nachtigallen.