Dann entließ er die Studenten,
Ihre Treue zärtlich lobend,
Und zu ihm sprach Rosarose:
"Höre mich, mein Jacopone!
Da ich aus dem Leben gehe,
Soll dir bleiben unverborgen,
Was ich mußte dir verhehlen,
Das Geheimnis jenes Bronnens.
Warum du mich wolltest töten,
Als den Knaben du gehorchet.
Wisse, daß ich deine Schwester,
Deinem Vater bin entsprossen!
Und ich danke, daß du ehrend
Meine Unschuld nicht verdorben,
Daß von Blutschuld unbeflecket,
Keusch wir bei einander wohnten.
Aus versündeten Geschlechtern
Sind wir sündenvoll geboren,
Und die Sünde wird erst enden,
Wenn ein schweres Jahr verflossen.
Von der eitlen Welt dich wende,
Geh in einen frommen Orden,
Wo das Schauspielhaus verbrennte,
Laß erbauen mir ein Kloster!
Aber jetzo, eh ich sterbe,
Hole mir den Greis Benone,
Daß ich nehm die Sakramente,
Zu der Seele letztem Troste!"
Jacopone steht entsetzet,
Ohne Regung, ohne Worte,
Nur sein Haar hebt sich zu Berge;
Doch er eilet zu Benone.
Aber auf der Treppe schellet
Schon des kleinen Lammes Glocke,
Und zu Rosarose gehet
Ein der Knabe blondgelocket.
"Grüß dich Gott zum Wiedersehen1
Ei, wie bist du schön geworden,
Meine liebe Rosarose!"
Hat das Kind zu ihr gesprochen.