So hat eurem frommen Wollen
Gern der Heiland beigestanden,
Und das Lager deines Todes
Blieb durch ihn der Keuschheit Lager.

Bald steht deines Herzens Rose
Nun im selgen Himmelsgarten
Und schmückt ihm die Dornenkrone,
Die er hat für uns getragen!"

Als der Knabe so gesprochen,
Ging er betend aus der Kammer:
"Jesus Christus sei gelobet!"
Und die Sterbende sprach: "Amen!"

Doch jetzt nahten sich die Nonnen,
Die verschleiert fern gestanden,
Leis hinschwebend an dem Boden,
Rosarosens Sterbelager.

Und es knieet Rosadore
Eingehüllet in den Mantel.
Stille war es, nur der Odem
Wehte und das Licht der Lampe.

Und die eine sprach: "O Tochter,
Ich bin deiner Mutter Schatten.
Weh mir, daß ich es geworden!
Rosatristis ist mein Name.

Und auch du, o Rosadore,
Hast durch mich das Licht empfangen;
Fürchte nichts, erheb vom Boden
Deinen Blick, der mich erlabet.

Ach, so kann ich nach dem Tode
Mutterfreuden erst erlangen!
Wie unendlich ist die Wonne
Unergründlichen Erbarmens!"

Und nun schweift sie wie ein Vogel
Freudig um das Bett der Kranken,
Und umschwebet Rosadoren,
Streifend kühl durch ihre Haare.

Rosarosens Lebenswoge
Hebt sich nochmals Wellen schlagend,
Stumme Freudentränen flossen
Nieder von der bleichen Wange.