Denn sie hört im Ton der Worte
Jene Stimme widerschallen,
Die ihr einst das Haupt geschoren,
Ihrer Blöße sich erbarmend.
Durch die Seele Rosadorens
Bebt ein tiefes, süßes Bangen;
Furchtlos hat emporgehoben
Sie die Arme nach dem Schatten.
Denn sie sieht in dieser Nonne
Jenes Bildlein ihrer Kammer,
Das mit ihr gefunden worden,
Das sie stets so wert gehalten.
Rosatristis nun voll Wonne
Löst der Kranken Brustgewande,
Daß des Busens heilge Wogen
Schimmernd zu dem Lichte drangen.
Eine rote blutge Rose
Rosarosens Brust bestrahlet;
Was ihr unterm Herzen wohnet,
Hat sie so im Tod erfahren.
Während leis zu Rosadoren
Sich die andre Nonne nahte,
Und sie sah, die sie erzogen,
Rosalätens heilgen Schatten.
Rührend sprach sie: "Rosadore
Die ich sonst Biondette nannte,
Teure Jungfrau, zeig die Rose,
Die dir gab den neuen Namen.
Lasse, die dich hat geboren,
Meiner armen Schwester Schatten,
Lasse ihres Heiles Rose
Vor ihr blühn im keuschen Garten!"
Und in Zucht löst Rosadore
Ihres Mieders goldne Spangen,
Und des Herzens banges Pochen
Hört man durch die Stille schlagen.
Eine kleine goldne Rose,
Über ihrem Herz gemalet,
Zeigt im Spiegel ihr die Nonne
Als das Zeichen ihres Stammes.