Rosatristis spricht voll Wonne:
"O, gesegnet ist der Garten,
O, wie herrlich stehn die Rosen,
Und derHerr wird sich erbarmen!

Aber eine weiße Rose
Muß ich traurend noch erwarten, # trauernd?
Sehen darf ich nicht die Tochter,
Die unschuldge Rosablanke!"

Und nun hat sie aufgeschlossen
Den Bußgürtel, der die Kranke
Noch umgürtete — da flossen
Ströme Blutes von der Armen.

Stürzend in den Arm Meliores
Aus dem Fenster bei dem Brande,
Hatte von des Gürtels Dornen
Tiefe Wunden sie empfangen!

Rosatristis spricht zum Troste:
"Du stehst recht im Rosengarten,
Den der Herr bei seinem Tode
Für die Märtyrer gepflanzet.

Deines Blutes jeder Tropfen
Fällt auf meine Seele labend;
Heilig hast du es vergossen,
Das in Sünden du empfangen."

Und sie gürtet Rosadoren
Mit des Gürtels scharfen Stacheln:
"Wolle ihn um mich, du Tochter,
Treu wie deine Schwester tragen!

Gebe ihn bei deinem Tode",
Spricht die Nonne, "Rosablanken!"
Peinumgürtet steht die Fromme,
Klaglos für die Marter dankend.

Und nun sinkt sie mit den Worten
Froh in Rosarosens Arme:
"Laß, o Schwester, deinen Odem
Mich von deinen Lippen fangen!" —

"Sei willkommen, Todessonne!"
Spricht die Kranke liebesstammelnd,
"Mir ins Herz mit Siegeswonne
Fallen deiner Augen Strahlen!