Denn ich wollte dich ersuchen,
In der Kürze mir zu sagen,
Was in der versäumten Stunde
Mir vom Liebestrank entgangen.
Denn der Töne Macht und Wunder
Kann ich mir schon deutlich machen;
Dieses Baumes geistge Zungen
Über mich sind ausgegangen."
Apo spricht: "Der Töne Wunder
Lehrte dich der Linde Schatten,
Lerne nun von diesem Brunnen
Auch die Kunst des Liebestrankes." —
"Meister, höchlich ich bewundre,
Wie du fein mich höhnend strafest;
Ach! zu tief ist mir der Bunnen,
Und der Eimer schöpft nur Wasser.
Auf des Glanzes Spiegel unten
Sah ich oft ein Antlitz strahlend
Durch die grünen Zweige funkeln,
Aber nimmer steigts zum Rande.
Treulos immer ists verschwunden,
Wenn ich weisheitsdurstig nahte.
Nur das Bild von Gottes Mutter
Weilte ruhig meinen Klagen.
Und so krönt ich sie mit Blumen,
Daß, nach gleichem Preis verlangend,
Auch das schönre Bild des Brunnens
Gütger meiner Andacht achte.
Doch noch immer muß im Durste
Ich am kalten Rande schmachten,
Möcht hinab zu einem Kusse
Stürzend mich im Tode baden." —
"Trage Wasser in den Brunnen." —
Spricht der Meister — "bis zum Rande,
Dann magst du die durstge Zunge
Bald im kühlen Spiegel laben." —
"Meister, was dir nie gelungen",
Spricht Meliore, "soll ich wagen?
Seit dem Teufel hat die Schule
Wasser in den Born getragen.