Aber sieh! Zwei Nachtigallen
Flattern bange um sie her,
Wo sie gehen, wo sie wallen,
Und verlassen sie nicht mehr.
Und Meliore bricht das Schweigen:
"Was bedeutet wohl, mein Knd,
Daß die Vögel nicht mehr weichen,
Die doch sonst nicht heimlich sind?"
Rosablanke spricht: "Die beiden
Habe ich wohl gleich erkannt,
Ach, sie klagen uns ihr Leiden,
Haben sich uns zugewandt.
Ihre Herrin ist verschwunden,
Heute früh gab ich sie frei;
Daß sie wieder sie gefunden,
Saget uns ihr Wehgeschrei."
Daß sie von Biondetten spreche,
Wußte zwar Meliore nicht,
Doch es stürzten Tränenbäche
Von dem bleichen Angesicht.
Und sie wagt ihm nicht zu sagen,
Wie sie jener Kammer fand,
Denn schon hatte ihn geschlagen
Allzusehr des Schicksals Hand.
Und sie ließ die Vöglein flehen,
War sie doch wie sie gebannt,
In das Antlitz ihm zu sehen,
Das zur Erde er gewandt.
Meliore sprach: "Ich glaube,
Diese Vögel flehn um Schutz
Vor des wilden Geiers Raube
Oder böser Buben Trutz.
Laß uns ihren Flug begleiten!" —
Ach, er kannte nicht ihr Leiden!
Und hinaus zum Garten schreiten
Ernst und ahnungsvoll die Beiden.
** Romanze XVIII: Biondetta ersticht sich