Ihre Blicke, aufgeschlagen,
Sahen nach dem Bild der Nonne,
Und auf ihre bleichen Wangen
Kalte Tränen niederflossen,

Die noch traurig darauf standen
Als ich ihr das Aug geschlossen;
Und so sind mit ihr mir Armen
Beide Mütter mir gestorben:

Die mich hilflos mußte lassen
Als sie mich zum Lichte geboren,
Die mich treu in ihre Arme
Als ein Kind hat aufgenommen.

Heute nun zum letzten Male
Will ich tanzen in der Oper,
Will ich meine Wangen malen
Meiner Lehrerin zum Lobe,

In der Künste bunter Flamme
Ihrem Leben noch dies Opfer,
Und dann fromm die jungen Tage
Opfern ihrem selgen Tode."

Alles höret Rosablanke,
Dinge, die sie nie vernommen,
Über manches möcht sie fragen,
Stünd der Schrank nicht vor ihr offen.

Lange steht sie vor den Masken,
Wie umgafft von fremden Volke;
Kindisch wagt sie nicht zu fragen,
Wer die Augen ausgestochen.

Doch fragt sie bei Armors Larve,
Der ein Band von leichtem Flore
Um die Augen war gefaltet:
"Ist ihm auch das Aug genommen?" —

"Da ich einstens trug die Larve,
Sprach Apone unterm Volke:
Wer darf deine Mutter tadeln,
Wenn du spielst des Vaters Rolle!

Da erglühten meine Wangen,
Durch die Maskenöffnung rollten
Heiße Tränen, und die Farben
Um die Augen her verloschen.