Heute sind es zwanzig Jahre,
Daß ich bin gefunden worden
Als ein Kindlein am Altare,
Wo du früh den Kranz geflochten.
Findelkind Mariens nannte
Mich die Tänzrin, die hier wohnte,
Ihr verdank ich Sang und Harfe,
Sie ist meine Mutter worden.
Was mit Staunen du betrachtest,
Ist das Gut, das sie erworben
Und mir gütig hat gelassen,
Als ich sie im Tod verloren.
Da zur Jungfrau ich erwachsen,
Übernahm ich ihre Rollen,
Und sie hat vom offnen Wandel
Sich zu Gott zurückgezogen.
In dem Kloster zu Sankt Claren
Ward sie endlich aufgenommen.
Und im heilgen Kleid begraben
Als ein Mitglied jenes Ordens.
Sterbend hat sie mir gestanden,
Daß ich ihre Findeltochter,
Und mir Zeit und Ort gesaget,
Da ich bin gefunden worden,
In dem Tüchlein eingeschlagen,
Mit dem Bilde jener Nonne,
Und dem Ringlein, das ich trage,
Am Altare bei dem Bronnen.
Heute sind es zwanzig Jahre;
Freitag nachts, als aus der Oper
Einsam sie nach Haus gegangen,
Nahm sie auf mich von dem Boden.
Hat mit mir sich in der Kammer
Mutterheimlich eingeschlossen,
Und von den gemalten Wangen
Liebestränen auf mich flossen.
Da sie sterbend mir dies sagte,
Fragt ich: wer hat mich geboren?
Doch sie konnte mirs nicht sagen,
Ihre Lippe war verschlossen.