"Wollet mich zum Baum doch leiten",
Spricht er, "der im Garten steht,
Der verboten ist euch beiden,
Auf daß ihr euch nicht erhöht!
Aus des Buches Heimlichkeiten
Hab ich heute eingesehn:
Wer der Früchte ißt, wird schreiten
Auf zu Gott, ja gleich ihm stehn."
Und geführet von dem Weibe
Greift zum Baume Samael;
Daß er ungetötet bleibe,
Zeigt er essend ohne Hehl.
Und das Weib zum Baume greifet;
Aber wehe! vor ihr schnell
Zu der Erde niederschweifet
Todesengel Azrael.
Sie gedacht in tiefem Leide,
Daß sie nicht alleine sterb.
"Sterben wir doch besser beide,
Daß kein Weib ihn mehr erwerb."
Zu dem Mann ist sie geeilet,
Der bei seinem Buche steht;
Bis die Sünde er geteilet,
Eher sie nicht von ihm geht.
Und der Herr sah es mit Neide,
Und aus Adams Händen schwebt
Weg das Buch, daß er mit Leide
Seinen Blick zu Gott erhebt.
Und er schlug sein Haupt und weinte,
In den Gichon-Fluß sich stellt,
Und so jammerte und weinte,
Daß er bis zum Haupt ihm schwellt.
Und der Schimmer seines Leibes
Rostet und wird träg und schwer,
Und es wird zum Fluch des Weibes,
Daß mit Schmerzen sie gebär.
Gott stürzt sie vom Paradeise,
Und sie stürzten ab, getrennt;
In der Erde tiefstem Kreise
Adam sich zuerst erkennt.