Montevideo.
„Es gibt drei vollkommene Dinge in der Welt,“ meinte der Brasilianer, „die englische Flotte, das deutsche Heer und den Karneval in Montevideo.“
Wir standen auf dem Oberdeck der „Ciudad de Montevideo“. Pechschwarz waren Meer und Himmel, über die die Lichtzeilen der flammenden Straßen von Buenos Aires wie leuchtende Perlenschnüre auf schwarzen Samt gelegt waren.
Vorn am Bug rauschte das Wasser. Es dauerte eine Weile, bis ich antwortete. „Gibt? — Gab!“
„Nun ja,“ meinte er, „es ist lange her, daß ich drüben war, vielleicht wird ‚es gab‘ auch noch einmal für die beiden anderen gelten.“
Es waren nicht allzuviel Passagiere an Deck. „Noch vor ein paar Jahren“, sagte mein Gegenüber, „mußte man sich um die Faschingszeit viele Tage vorher einen Platz sichern; aber heute bei den Preisen und den Paßschwierigkeiten merkt man den Ausfall.“
Aber am folgenden Abend auf der Plaza de Independencia war im treibenden Menschenstrom kaum durchzukommen. In der Mitte des Platzes blendete der Brunnen mit den wasserspeienden Seetieren, von tausend Glühbirnen überkuppelt. Und weiterhin die Avenidas auf und ab, Wappen, Girlanden, Ketten farbiger Glühbirnen von Haus zu Haus über die Straßen gespannt.
Vierzigtausend Peso hatte diese Illumination der Stadt gekostet. Vierzigtausend uruguaysche Goldpeso! Und darunter zog auf und ab die endlose Kette der Wagen, Reiter und Autos, Kostüme, Masken, phantastische Aufbauten, das unablässige Spiel von Dutzenden von Musikkapellen und das Kreischen der Frauen und Mädchen.
Knöcheltief watet man in Konfetti und Papierschlangen, mit Parfüm und Wasser bespritzt, einer zweifelhaften Errungenschaft südamerikanischen Karnevals, und man sieht dem Bemühen dieser Massen zu, sich krampfhaft zu amüsieren; denn im Grunde ist dieser südamerikanische Fastnachtsspuk unglaublich langweilig. Das geht nun schon Tage so, und dauert noch viele Tage, denn wenn der Südamerikaner feiert, dann feiert er gründlich, womit freilich nicht gesagt ist, daß er selten feiert, und so beginnen Umzüge und Bälle bereits vor Faschingsonntag und dauern lange über Aschermittwoch hinaus.