Aber diesmal sprachen wir nicht von der Animosität gegenüber Argentinien. Die Wahlen und der im Zusammenhang mit ihnen drohende Generalstreik waren erst seit kurzem vorüber, und die innerpolitischen Probleme beherrschten noch restlos die Gemüter. Mein Gegenüber erleichterte sich das Herz durch Schmähungen gegen die „Colorados“, die sich an der Macht behauptet hatten.
„Nun haben wir die deutschen Schiffe“, meinte er, „und könnten eine eigene nationale Dampferlinie damit einrichten, aber die unfähige Regierung weiß nichts damit anzufangen. Zuerst haben wir keine Kohle und, wenn wir Kohle haben, ist niemand da, der die Schiffe fahren kann. Es ist ein Skandal!“
„Sie sind also ein Blanco?“ — so heißt die andere, bei den Wahlen unterlegene Partei —, warf ich ein.
„Ich bin weder ein Blanco noch ein Colorado“, war die Antwort, „die einen sind nicht besser als die andern.“
Der Schaffner war zu uns getreten und mischte sich in das Gespräch: „Es ist ganz einerlei, wen man wählt, die Mißwirtschaft ist unter allen Parteien die gleiche.“
Wie verloren stand das Vieh auf der Weide. In weiten Abständen voneinander spärliche menschliche Behausungen. Land und Bewegungsraum noch für Millionen. Hier bedarf es keines der Probleme, unter denen Europa sich zerfleischt. Wie reich ist dieses Land, niemand muß hier Not noch Sorge kennen.
Ich nahm das Gespräch wieder auf: „Aber wer wird denn aufräumen mit der Mißwirtschaft? Wer wird’s denn ändern?“
Der Schaffner stand vor mir, breit und massig, sehr adrett in peinlich sauberer Uniform, sehr honett und sehr bürgerlich.
„Wer es ändern wird, Herr“, er sprach sehr langsam, jedes Wort betonend, „wer es ändern wird? Die Bolschewiken werden es ändern!“