„Oh, die sind so gut versteckt, da müßte der Beamte schon sehr genau suchen — —.“

Die Offizierswitwe mit den beiden Söhnen hat bereits ein erstaunlich billiges Angebot für Haus und Land in Paraguay. Die Stimmung geht hoch.

Am nächsten Morgen sind wir mitten im La Plata. La Plata, Silberstrom! Der Name klingt wie Hohn; denn in schmutzigem Lehmgelb wälzen sich seine trägen Wogen. Gelbe, einförmige Wüste, soweit das Auge reicht. Fast wirkt der Anblick bereits wieder schön in seiner grandiosen Eintönigkeit. Am Horizont stehen Schiffe, flach auf die Wüstenplatte gestellt. Merkwürdig unwirklich sehen sie aus.

Das Land, das jetzt zur Linken auftaucht, paßt zum Fluß, es ist flach, öde, reizlos. Aber noch öder, noch reizloser könnte es erscheinen, es würde doch mit den gleichen sehnsüchtig erwartungsvollen Blicken verschlungen. Es ist ja das Land der Verheißung, die Erlösung aus all dem Leid, aus all dem Jammer in der Heimat.

Buenos Aires sticht mit Kaminen, Türmen und Kuppeln über den Horizont. Am Bug ballt sich die Masse der Auswanderer. Rasch wächst die Stadt. Eine flüchtige Ähnlichkeit mit New York, ein schüchterner Versuch zu Wolkenkratzern. Der Jachthafen mit Dutzenden der elegantesten Jachten. Dann im Hafen Schiff an Schiff, endlose Kais lang.

Ärztliche Untersuchung und Paßrevision. Dann darf man von Bord. Jetzt noch die zollamtliche Untersuchung. Der Flieger verhandelt aufgeregt mit einem Gepäckträger. Koffer auf Koffer rollt an. Immer wieder greifen die geübten Hände der Zollbeamten tief in Kisten und Koffer. Der ehemalige Fliegeroffizier hat einen Teil seiner Sachen schon durch, aber nun zieht der Beamte ein Bündel Uhrketten aus einem Paar Damenhandschuhe.

„Was ist das?“ — und nun kommt Stück für Stück ans Tageslicht. Er bekommt einen puterroten Kopf. Tapfer hält sich die junge Frau.

Auf Schmuggel steht Beschlagnahme der Ware und hohe Geldstrafe, bei großen Beträgen Gefängnis. Weiß Gott, da wird der Herr vom Tisch vis-à-vis abgeführt. Er hatte Brillanten in der Weste eingenäht. Eine Dame soll ihn angezeigt haben.

Sicher erhoffte Telegramme sind ausgeblieben. Über Paraguay hört man bereits im Zollamt nur Ungünstiges. Luftschlösser stürzen ein. Und die Traumstadt der Verheißung ist, wenn man sie betritt, auch nicht anders wie jede Weltstadt: eine gewaltige Mühle, die die Masse der Menschen zerreibt, um den wenigen Zähen, Auserwählten den Aufstieg zu unerhörter Macht freizugeben.