Ohne es zu wissen löst sich aus staubtrockener Kehle ein Schrei: Der Fluß, Wasser, Leben! Die Pferde rasen ohne Antrieb vorwärts.
Wie im Traum faßt das Auge die wechselnde Landschaft. Zwischen den blinkenden Kurven dunkle Flächen von Grün, Gras und Alfalfa, mehr geahnt als erkannt, Pappeln in Reihen aufmarschiert, die Schatten hoher Baumgruppen.
Inmitten der Wüste grünendes Leben, treibende Frucht.
Wir reiten zwischen Pappelreihen. Dahinter Weingärten, Obst, Früchte. Unter hohen Bäumen ein großes, weißes Haus, Schuppen, Ställe und ringsherum Gärten. Eine Oase in der Wüste nimmt uns auf.
Es ist kein anderer Boden, kein anderes Land als jenes, das wir durchritten haben, nur daß es der Zauberstab berührt hat, auf den das ganze Land wartet, um sich in ein Paradies zu wandeln — die segenspendenden, lebenschenkenden Fluten künstlicher Bewässerung.
19. Zukunftsland.
Wo der Rio Cayunco in den Neuquen fließt, treten die Berge im weiten Umkreis zurück und bilden mit ihren steil abfallenden Wänden einen mächtigen Felskessel. Eingeschlossen von dem toten heißen Gestein aber, an den Ufern der Flüsse, fruchtbares Land, das nur des Wassers bedarf, um jede Frucht zu treiben.
Es ist ein eigen Ding um die Sonne, die hier von einem Himmel von unendlicher Bläue herunterbrennt und deren Hitze die steinernen Mauern vielfach widerstrahlen. In wenigen Tagen färbt sie Gesicht und Hände, den offenen Hals und die bloßen Arme über ein Indianerrot zu einem tiefen satten Braun.
Sicherlich steigt hier die Quecksilbersäule auf die gleiche Höhe wie in Buenos Aires, ja selbst auf die Höhe, die ich im Dezember und Januar im Norden der Provinz Santa Fé stöhnend erlebte. Aber es ist eine andere Hitze. Es scheint eine andere Sonne. Die Luft ist in diesem Lande, das keinen Regen kennt, von einer Trockenheit, Reinheit und Klarheit, daß die Hitze nur wie ein köstlicher, warmer Hauch empfunden wird. Dazu sind die Nächte wundervoll frisch, fast kalt.