Sonst kommt alles, was diese Kampstadt zum Leben braucht, mit der Bahn. Die Preise sind höher als in Buenos Aires. Früchte, die man nur wenige Bahnstunden weit in Roca zu anderthalb Peso das Hundert kaufen kann, verkauft der Italiener mit 10 Cent das Stück. Gebrauchsgegenstände, Stoffe, Kleider, Küchengerät, Messer usw. verkaufen die Almaceneros mit hundert, zweihundert, ja sogar dreihundert Prozent Aufschlag. Oft spielt sich das Geschäft in der Weise ab, daß die Indios den Erlös für Vieh, Felle oder Wolle in einem Tag vertrinken, die Ware auf Kredit nehmen und wieder ohne einen Cent bares Geld auf ihre einsamen Ranchos zurückkehren.

Wir warten die größte Mittagshitze ab, ehe wir abreiten. Mäntel und Decken — denn die Nächte sind kalt — und ein wenig Wäsche ist alles, was mitkommt.

Ein breites flaches Tal zwischen sanften Hängen zieht sich nach Norden. Wir reiten Stunden und Stunden. In großen Abständen kündet eine weidende Tropilla Pferde oder eine Schaf- und Ziegenherde einen Puesto, eine kleine Ansiedlung von Indianern.

Ein ganz ärmlicher Rancho, ein Brunnen, um den Kürbisse wuchern, und allenfalls noch ein Corral, mit mühsam zusammengesuchtem Gestrüpp kunstlos eingehegt, das ist alles. Auf engstem Raum hausen unter dem niedrigen Lehmdach oft mehrere Männer und Frauen und ein Dutzend Kinder. Wir steigen ab und bitten um Wasser. Mit argentinischer Höflichkeit wird es gereicht, aber als wir photographieren wollen, gibt es fast eine böse Szene. Die Señora fürchtet sich vor dem Apparat; vielleicht glaubt sie sich auch nicht schön genug angezogen. Wir müssen ohne Aufnahme weiter.

Von den Hufen unserer galoppierenden Pferde weht der Staub in langen Fahnen. So geht es Stunde um Stunde, kaum mit kurzen Schritteinlagen. Es sind billige eingeborene Tiere, klein und unansehnlich; aber fabelhaft ist, was sie leisten. Sicher wird durch Mischung mit europäischem Blut der einheimische Schlag größer und ansehnlicher. Allein geht das nicht auf Kosten von Zähigkeit und Anspruchslosigkeit? Kein europäisches Pferd könnte bei diesem Futter auch nur entfernt ähnliches leisten.

Schon will es dämmern, als sich das Tal verengt. Felskulissen schieben sich vor. Über den Paßeinschnitt wechselt flüchtendes Wild — Strauße. Scharf zeichnen sich für Augenblicke ihre Silhouetten am Horizont ab.

Die Pferde keuchen den steinigen Pfad empor. Auf der Höhe weitet sich der Blick. Den Horizont grenzen blaue Berge.

In wildem Farbentaumel stirbt der Tag. Soweit das Auge reicht, nicht Mensch noch Tier noch Anzeichen menschlicher Behausung. Ringsum grenzenlose Einsamkeit.

Der Galopp der Tiere, der müd und kurz geworden war, wird in der kühlen Nachtluft wieder raumgreifend. Schweigend galoppieren wir durch buschbestandene Steppe. Mensch wie Tier hasten dem Ziele zu.

Aus dem Grunde vor den horizontfernen Bergen, die sich jetzt wie eine schwarze Wand drohend vor uns aufbauen, kommt ein mattes Blinken wie von Silber, auf das schwaches Licht fällt — der Fluß.