Lamaherde.
Ein Säugling zu Pferd.
In einer bolivianischen Posada.
Wie ging uns als Knabe das Herz auf, wenn wir von Wild West lasen. Heute kann man die Vereinigten Staaten von Ost nach West, von Nord nach Süd durchfahren, man wird von Wild-West-Romantik nichts mehr sehen. In Argentinien gibt es sie noch, keine 40 Bahnstunden von der Hauptstadt entfernt: Städte, die heute aus ein paar Wellblechbaracken bestehen und deren Entwicklung niemand ahnen kann. Unbegrenzte Möglichkeiten für den Zähen, Zielbewußten, und königliche, schrankenlose Freiheit in unbegrenzter Weite.
Die Häuser, aus denen Ramon M. Castro besteht, lassen sich leicht an zwei Händen zählen: Außer der Station drei Almacene, ein Franzose, ein Spanier, ein Pole, eine Fonda, die ein Italiener bewirtschaftet, die Bretterbude der Polizeistation und einige Lehmranchos. Halt, da ist noch ein stattliches, zweistöckiges Gebäude, ein Ziegelbau mit Wellblechdach — die Schule. Man frägt erstaunt, für wen. Alle Achtung vor einem Land, das in seinen abgelegensten, menschenärmsten Teilen noch solche Schulen baut.
Diese armselige Kampstadt inmitten trostlos heißer Sandwüste ist für eine weite Umgebung Kultur- und Wirtschaftszentrum. Hierher verkaufen die wenigen an dem Flusse sitzenden Estancieros wie die auf dem Regierungsland nomadisierenden Indios ihr Vieh und ihre Felle. Hier können sie in den Läden alles einkaufen, was sie brauchen, und in der Kneipe können sie spielen und sich betrinken. Kehrt man nach tagelangen Ritten in einsamer Wüste und Steppe nach Ramon zurück, so ist es nicht anders als die Rückkehr aus der Provinz nach Buenos Aires.
Einstweilen aber kann man es nicht fassen, wie Menschen es in diesem heißen, sandigen Kessel aushalten. Kein Grün, weder Busch noch Baum. Nur an der Bahn das Gärtchen des Stationsvorstands, das, von dem Tank der Südbahn aus mit Wasser versorgt, mit frischem Grün prangt: Tomaten, Kohl, Pfirsiche, Äpfel, Birnen.