Wir standen unter der Tür des Administratorhauses und sahen auf das Werk. Seine Lichterreihen bauten sich terrassenförmig auf, und darüber hoben sich vom sternklaren Nachthimmel die rauchenden Essen ab.

„Wie ein Schiff“, meinte nachdenklich der Administrator.

„Ja, wie ein Schiff.“ Ich mußte an die lange frauenlose Männerrunde der Beamten und Ingenieure denken, die immer die gleiche blieb, die nie wechselte. Immer die gleichen Gesichter, immer die gleichen Arbeiten, und kaum einmal im Jahr ein paar Tage Urlaub nach Antofagasta.

„Der Unterschied ist nur der,“ fuhr der Leiter des Werkes fort — er war vor dem Kriege als Kapitän zur See gefahren, und das Kriegsschicksal hatte ihn in die Pampa verschlagen —, „ein Schiff legt an, ein Schiff wechselt Ladung und Passagiere; wir aber, wir liegen ewig am gleichen Fleck im Ozean vor Anker.“ Das Werk lag jetzt wirklich wie ein phantastisches Schiff in der Wüstennacht. Unendlichkeit von Wüste und Himmel, gleich ewig, gleich drückend, gleich grausam.

„Noch ein paar Jahre als Pampino, dann —.“ Wir gingen zum Whisky zurück ins Haus.

Pampino, Pampabewohner, es ist ein eigener Menschenschlag. Allein, wenn sich Werkleiter und Beamte auch dazu rechnen, wenn man ihn wirklich und echt kennenlernen will, den „Pampino“, muß man ins Campamento, ins Arbeiterlager, gehen.

Ich habe als Student im Industrierevier gearbeitet, vor dem Hochofen, im Stahlwerk, im Walzwerk, und dieses Land von Ruß und Feuer, von Schlackenhalden und Essen schien mir seitdem das grauenvollste, die Arbeit als Hüttenarbeiter die schwerste und freudloseste. — Es war ein Irrtum. Die Salpeterpampa ist schlimmer. Wohl gibt es auch in europäischen Kohlen- und Eisenrevieren Arbeiterkasernen. Aber oft sind es freundliche Häuser mit Gärtchen. Es gibt doch Bäume, andere Häuser als Wellblechbaracken, andere Menschen als die täglichen Arbeitskameraden. Man kann in die Stadt gehen oder schließlich an Sonntagen auch ins Freie, ins Grüne.

Das Campamento — zwei Reihen Wellblechbuden, eine wie die andere, primitiv aus Blechtafeln zusammengesetzt. Vorne ein Wohnraum, dann durch eine kaum mannshohe Zwischenwand abgetrennt ein Schlafraum, dahinter ein Hof, gleichzeitig Küche, Vorratsraum, Rumpelkammer und alles übrige. Freilich, man kann die Unterkunft primitiv halten in diesem Landstrich. Es regnet ja nie. Aber das Wellblech gibt auch in gleicher Weise der sengenden Glut des Tages wie der beißenden Kälte der Nacht Zutritt.

Campamento und Werkleitung, das ist Todfeindschaft. Wie die Dinge liegen, künden auf den ersten Blick die schweren, eisernen Gitter, die doppelten Läden und die eisernen Querbalken, die in wenigen Augenblicken Verwalterhaus und Beamtenwohnungen in starke Festungen verwandeln können. Und dann ist gar nicht weit die Carabinerostation, zu der eine direkte Telephonleitung führt.