Und weiterhin ist der Boden gelb; es ist Schwefel. Und gleichfalls braucht es nicht mehr als die Mühe des Losbrechens. Grünlich gelbe Dämpfe wallen um die viereckigen Blöcke der Schwefelöfen, aus denen das goldgelbe Mineral fließt, Tränen in die Augen treibend und die Kehle würgend. Aber dem, der es fand und von der Erde hob, lauteres Gold in die Taschen.

Geld machen, Geld, Geld! Wie wird sich erst in absehbarer Zeit die göttliche Felseinsamkeit bevölkern mit Essen und Öfen, wenn erst weitere Schienenstränge die Kordillere durchziehen; denn die Bahn ist hier alles. Ohne sie blieben die weiten, großen Schätze der einsamen Erde tot. Über dem Vulkan aber steht Tag und Nacht, als stumme Warnung, die Rauchwolke.

Als Chile noch unter den Meeresfluten lag, soll das heute kalte und rauhe Andenhochplateau jenseits der Kordillerenkette ein paradiesisch schönes, tropisches Land gewesen sein, die Wiege der amerikanischen Völker. Uralte Ruinen künden, daß hier einst Weltstädte standen. Was mag aus diesem Gebiet hier werden, wenn sich die unheimlichen Kräfte wiederum regen, wenn neuerdings Kontinente versinken, Kontinente erstehen?

Auf der einsamen, im Weltmeer verlorenen Osterinsel steht eine ungeheuere Steinstatue mit traurig ergebenem Gesicht, nach Norden blickend. Als einst die Achse des Kontinents sich drehte und Atlantis versank, da errichteten seine entsetzten Bewohner, die das Meer über sich hereinbrechen sahen, auf der höchsten Höhe diese Statue, wie um den Zorn der Götter zu besänftigen, und als einziges Denkmal einer versunkenen Welt blieb sie von der Flut verschont.

Mag es so sein oder nicht. Die Mythe ist schön, und als in Ollague der erste Aimara an den Zug herantrat, um Llareta zu verkaufen, die als Brennmaterial dienenden torfigen harzreichen Polster einer Schirmblütlerpflanze, die er in unsäglich harter Arbeit in eisiger Felseinsamkeit gesammelt, da glaubte ich in den Zügen dieses Sprossen eines vielgeprüften Volkes die gleichen Züge trauriger und stummer Resignation zu lesen.

Bolivien

34. Das Land Bolivars.