Rings um die Finca herum liegen in kleinen Bananenpflanzungen die rohgebauten, niederen Lehmhütten der Kolonen, der Hörigen. Jede Finca verfügt ja über ihre bestimmte Zahl höriger Indianerfamilien, die zur Arbeit für den Patron verpflichtet sind, und der Wert jedes Grundbesitzes richtet sich auch nach der Zahl der auf ihm ansässigen Kolonen. Man kauft und verkauft eine Finca nicht nach Hektaren oder Quadratleguas, sondern nach der Zahl der Kolonen, und im allgemeinen wertet jede Kolonenfamilie tausend Peso.
In rein mittelalterlich-feudaler Weise spielt sich auch die Arbeit auf der Finca ab. Jeder Kolone ist verpflichtet, zwei, drei oder vier Tage, je nach der althergebrachten Gewohnheit, für den Grundherrn zu arbeiten. Diese Arbeit ist nicht nur völlig unentlohnt, der Kolone muß auch noch Arbeitsgerät und Arbeitstiere selbst stellen. Er ist ferner zu unentgeltlichem Dienst im Hause des Patrons verpflichtet. Jede Kolonenschaft stellt allwöchentlich einen oder mehrere Pongos als Hausdiener. Ebenso wählt sich der Patron, beziehungsweise der Administrator aus der Reihe der Frauen und Mädchen allwöchentlich eine Mitani als Haus- und Küchenmädchen. Verreist er, will er etwas besorgen lassen, in der Stadt etwas kaufen oder verkaufen, so stellen die Kolonen so viele Apiris, wie er benötigt, um ihn auf ihren Mulas zu begleiten oder die Besorgungen zu erledigen.
Als Entgelt für diese Dienste erhalten die Kolonen Land zugewiesen, das sie in ihrer freien Zeit bebauen. Jeder Indianer hat denn auch seine Bananenpflanzung, von der er in der Hauptsache lebt, sein Cocal, sein Cocafeld, dessen Erträgnisse seine sonstigen Bedürfnisse decken müssen.
Am nächsten Morgen in aller Frühe hatte ich Gelegenheit, den ganzen Betrieb kennenzulernen. Es war Frontag, und der Hilacata, der Kazike oder Aufseher der Indianer, trat mit den Kolonen auf dem Hofe an. Dann ging’s zur Arbeit, Männer und Frauen getrennt.
Wir gingen erst zu den Männern, denen die schwere Arbeit obliegt. Es galt, neues Land für ein Cocal zu roden. Büsche und Bäume, die den Hang deckten, waren bereits abgebrannt, und jetzt waren die etwa dreißig Indios in langer Reihe dabei, mit Hacke und Schaufel die Wurzelstöcke zu entfernen. Langsam arbeitete sich die braune Kette den Berg hinauf. Vor ihnen stand in buntem Poncho, das fast meterlange Messer im Gürtel und das schwarzglänzende Haar bis auf die Hüften herabhängend, der Hilacata.
An anderer Stelle waren die Frauen dabei, im Cocal das Unkraut zu jäten. Auch hier ein Hilacata-Stellvertreter als Aufseher.
Am Abend saßen der Administrator und ich auf der luftigen Veranda beisammen. Hinter dem scharfen Bergrücken, zu dessen beiden Seiten Coripata wie ein Raubvogelnest klebt, verflammte der Abend. Aus dem dunklen Laub des Gartens heraus sah man das Leuchten der Orangen. Dahinter ließen gleich müden Pferden die Bananen ihre früchteschweren Köpfe hängen. Von den Indianerhütten her klang monoton eine Rohrflöte.
„Ständiger Ärger mit dem Pack!“
„Nun, ich glaube, jeder europäische Gutsbesitzer würde blaß vor Neid über solch billige Arbeitskraft. Entlassung geht ja nicht gut, wenn jeder Arbeiter seine tausend Peso wertet, und Lohnabzug gibt’s auch nicht. Was machen Sie denn, wenn die Leute widersätzlich sind oder faul?“