Coripata.

Die beiden Goldsucher aus Pongo waren vor mir hergeritten. Sie wollten den Rio Peri nach dem gelben Metall absuchen. Als ich an den Fluß herunterkam, fand ich noch die Spuren ihres Lagers; sie selbst waren schon fort. Sie hatten wohl nichts gefunden, oder die Moskitos hatten sie vertrieben, wie mir ein vorbeireitender Administrator einer Finca erzählte.

Auf den Höhen merkt man übrigens nichts von Moskitos, und trotzdem ich Moskitonetz und Schleier mitführte, hatte ich noch für keines von beiden Verwendung.

Dagegen war es doch schon recht heiß. Ich war ziemlich spät von Coroico abgereist, und das ganze Yungasgebiet kennt keinen ebenen Weg. Ständig geht es auf und ab bei stärkster Steigung, und selbst wo eine Straße am halben Hang entlang führt, geht sie in Kurven auf und nieder.

Coroico, Coripata, Chulumani, das ist das Herz der Yungas. Hier sind alle Hänge entwaldet. Es gibt keinen Baum mehr, alles Banane, Kaffee, Coca, alles gleich schattenlos.

So kam mir die Finca halbwegs nach Coripata gerade recht, um während der größten Mittagsglut kurze Rast zu machen. Aber als ich mit dem Administrator ins Gespräch kam, stellte sich heraus, daß er drei Jahre in Weimar auf einer landwirtschaftlichen Schule gelernt hat. Seit den sechs Jahren, die er wieder zurück und in den Yungas ist, war ich der erste Deutsche, den er gesprochen. So lud er mich zum Bleiben, und ich nahm gerne an.

Die bolivianische Finca hat mit der argentinischen Estancia die Ausdehnung gemein. Zehntausende von Hektaren sind die Regel. Allerdings sind hiervon stets kaum ein paar hundert, oft kaum ein paar Dutzend Hektar bewirtschaftet. Alles übrige liegt brach, unerforscht, und die Grenzen kennt der Besitzer in der Regel selbst nicht.

Die Hacienda, der Komplex der Wohn- und Wirtschaftsgebäude, ist noch wesentlich einfacher als in Argentinien. Lebt in Argentinien der Patron kaum ein paar Wochen und Monate auf seiner Estancia, so kommt er in den bolivianischen Yungas kaum einmal im Jahr auf wenige Tage hinaus, oft nur alle paar Jahre. Der Administrator aber ist ein schlecht bezahlter Angestellter, für den ein einfaches Lehmhaus aus luftgetrockneten Ziegeln mit Wellblechdach genügen muß.

Dieses Haus mit einem Schuppen für die Coca und dem mit Schiefer ausgelegten Hof, in dem die Coca getrocknet wird, ist eigentlich alles: Irgendwelche landwirtschaftlichen Maschinen oder Geräte, totes oder lebendes Inventar gibt es nicht. Das Maultier für den Administrator, wenn es hoch kommt, eine Kuh, das ist alles. Das Arbeitsgerät bringen die Peone selbst mit; es besteht nur in Hacke und Schaufel. Eines fehlt freilich nicht, auf keiner Finca. Das ist die Kirche, und sie ist stets der stolzeste Bau, massiv aufgeführt mit Glockenturm und Glocken; denn der bolivianische Indio ist in erster Linie ein treuer Sohn der Kirche, und was er irgend erspart, führt er außer dem Alkohol zunächst dem Pfarrer zu, den er reichlich mit Geschenken regaliert. Jede Messe auf einer Finca bringt dem Geistlichen nie unter einigen hundert Peso an Gebühren und Geschenken ein.