Das Zimmer war das übliche, vier bis fünf Meter im Quadrat, weißgetünchte Wände, lehmgestampfter Fußboden, ohne Fenster, nur durch die Tür Licht und Luft erhaltend.
Wir saßen beim Abendessen, wir, d. h. der Hausherr und Gastgeber, mein Reisekamerad und ich. Die Frau des Hauses, eine Chola, den geschwefelten Strohhut auf den straffen, schwarzen, langen Zöpfen, die nackten Beine hellbraun und schlank, aß wie üblich nicht mit, sondern bediente die Männer. Von dem, was wir übrigließen, fütterte sie die Kinder, die, zwei- und vierjährig, vergnügt und halbnackt auf dem Boden herumkrochen, um dann selbst den Rest stehend in einer Ecke zu sich zu nehmen.
Mein Reisekamerad hatte mich mitgenommen, d. h. die Kameradschaft war recht kurz. Wir waren eine Strecke zusammen geritten, waren zusammen in den Regen gekommen und hatten uns dann gemeinsam in einer Chacra an den dort überreichlich wuchernden Orangen gestärkt, nachdem wir vergeblich nach dem Besitzer gerufen.
Aber solche kurze Bekanntschaft genügt hier zu Gastfreundschaft. Es ist das Merkwürdige, daß es hier in einsamer Gegend am Ende jeder Tagereise eine Posada gibt. Aber in Ortschaften fehlt oft genug jede Unterkunftsmöglichkeit. Wozu auch? Wer hierher kommt, hat selbstverständlich seine Geschäftsfreunde oder sonstigen Bekannten, bei denen er nächtigt, wie umgekehrt sie bei ihm, und andere Reisende gibt es nicht. Wohl hatte ich einen Empfehlungsbrief von der Regierung an alle Behörden. Aber von allen Behörden war augenblicklich niemand da, und so wäre ich fast in peinliche Verlegenheit gekommen, da die Nacht schon hereinbrach, wenn nicht mein Reisekamerad mich zu seinem „Compadre“ mitgenommen hätte, der ihm Gastfreundschaft gewährte. Dies geschah mit der größten Selbstverständlichkeit und natürlichsten Liebenswürdigkeit, und in der gleichen Weise nahm mich der Compadre auf, als kennten wir uns seit Jahren und als wäre es gar nicht anders denkbar.
Millunisee mit Huaina Potosi.
Gipfelgrat des Huaina Potosi.
Am Fuße der Eiswand des Huaina Potosi.