Ich schloß die Türen des Sprechzimmers auf unserer Seite, ohne auf Deine Einwände zu achten. Dein Liebhaber tat auf seiner Seite dasselbe. Ich nahm Dich in meine Arme und preßte Dich gegen das Gitter. Ich lüftete Deinen Schleier. Er nahm Deine Brüste in die Hand, er küßte Dich und liebkoste Deine Zunge mit der seinen, als Deine Lippen sich schließlich öffneten. Doch sein leidenschaftlicher Durst nach Deiner Schönheit führte seine Hände, die wie von selbst unter Deine Röcke glitten, um Deine verborgensten Reize zu liebkosen. Ich preßte Dich gegen ihn, und auch ich küßte Dich. Schließlich gelang es ihm, sich dieser liebenswürdigen kleinen Grotte zu bemächtigen, die in all dem Glanz Deiner Jugendfrische erstrahlte. Seine Zärtlichkeiten entfachten in Dir eine leidenschaftliche Begierde. Er verwünschte dieses unerbittliche Gitter, das euch trennte und das sich seiner Lust widersetzte. Ich war nahezu außer mir.

„Wie“, sagte ich zu Deinem Liebhaber, „haben Sie so wenig Selbstvertrauen? Ach, Valsay, dem, der liebt, ist alles möglich. Ich liebe meine teure Eugenie viel mehr, als Sie es tun, und ich werde Ihnen beweisen, daß dieses Gefühl mir alles ermöglicht. Nichts kann mich zurückhalten, sie zu befriedigen. Denn wenn wir jetzt aufgeben, ist alles verloren.“

Du hast Dich uns schließlich ergeben. Ich veranlaßte Dich, auf die Brüstung des Gitters zu steigen und Deine Hände auf meine Schulter zu stützen. Ich hielt Dich. Valsay schürzte Deine schwarzen Röcke, welche das blendende Weiß Deiner Schenkel noch einmal so strahlend erscheinen ließen. Er liebkoste und küßte sie und schenkte ihnen alle Aufmerksamkeit, die sie verdienten. Deine kleine Grotte, die sich durch die Gitterstäbe so reizvoll zur Schau stellte, bot ein bezauberndes Bild. Ich gab ihr unzählige Küsse, doch weil sich Valsay beeilen mußte, wenn er sein Glück gewinnen wollte, nahm er Dich schließlich, während ich, meine Hand zwischen Deinen Schenkeln, Dich liebkoste. Das Vergnügen, dem wir uns überließen, überwand schließlich Deine Bedenken. Du nimmst meine Brüste in die Hand, Du küßt mich, Du verschlingst mich beinahe, es kommt Dir. Valsay hat die Klugheit, sich zurückzuziehen. Seine Wollust verströmt zwischen meinen Fingern und ergießt sich auf meine Hand wie die Lava eines Vulkans. Da kommt ihr beiden wieder zu euch selbst zurück. Du beschaust und liebkost dieses Kleinod, das ich Dir in so lebhaften Farben geschildert habe.

Doch Du kannst Dich seiner ohne meine Hilfe nicht mehr bedienen. Deine Augen sprechen von einer unterdrückten Leidenschaft. Du wagst nicht, mich zu bitten, daß ich Deiner Leidenschaft noch einmal diene, aber ich errate auch so, was Du begehrst. Schließlich bedrängst Du mich und beschwörst mich, Dich nicht zu verlassen. Wie, grausame Freundin, Du willst, daß ich Zeugin Deiner Wonnen und Deiner Seligkeit werde, während die meinen für immer verloren sind? Doch die Freundschaft, die ich für Dich empfinde, verweigert Dir nichts. Ich biete Dir aufs Neue meinen Beistand, und dieses Anerbieten entzückt Dich. Du erstickst mich in Deinen Küssen. Ich erinnere Dich in diesem Augenblick daran, daß Du Dich mit jenem gewissen heilsamen Schwämmchen bewaffnest. Du läßt mich die Gottheit sehen, der Du so eifrig dienst, mit der Du scherztest, die Du von Tag zu Tag mehr begehrst. Deine Tollheiten nehmen immer mehr zu. Du hast ihm meine Brüste enthüllt und alles, was ich sonst zu verbergen habe. Ich habe mich Deinen Neckereien überlassen. In welchen Zustand der Erregung habt ihr beide mich versetzt! Ich habe es Dir gestanden, und das treulose Mitleid hat mein Geheimnis verraten. Du willst, daß ich mit Deinem Geliebten spiele, du gönnst ihm meine Reize. Du bedrängst mich, seinen Wünschen zuzustimmen. Deine Geständnisse, Deine Bitten und seine Begierden, deren unübersehbares Zeugnis Du wieder und wieder in meine Hand gibst, sollen mich umstimmen.

Ich widerstehe täglich. Deine Bitten, sein Flehen, selbst das Feuer in meinen Adern kann mich nicht zu einem solchen Entschluß bringen. Nein, meine teure Eugenie, nein.

Vergeblich machst Du mir Vorwürfe über meine Gleichgültigkeit, wirfst mir sogar vor, ihn zu hassen. Aber Valsay ist nicht imstande, die eine zu durchdringen oder den anderen zu erwecken. Unsere Freundschaft allein genügt mir.

Nach dem übergroßen Verlust, den ich erlitten habe, werde ich niemals wieder eine intime Liaison mit einem Mann eingehen, und nichts kann mich in diesem Entschluß wankend machen. Du kannst davon überzeugt sein, daß weder eure Lust noch die Zärtlichkeiten, die ihr euch erweist, auch nicht der Anblick und die Berührung dessen, was Dir an ihm am liebenswürdigsten erscheint, mich je dazu bringen werden, gegen diesen unerschütterlichen Vorsatz zu verstoßen. Die Nacht, die ich zufrieden in Deinen Armen verbringe, genügt mir völlig, um das Feuer zu löschen, das noch immer in meinen Adern brennt.

Einige widrige Umstände haben diese sanfte Ruhe, die ich durch Dich wiedergefunden habe, gestört. Die Heirat meiner Cousine sowie die Notwendigkeit, meine wirtschaftlichen Verhältnisse zu ordnen, haben meine Abreise nötig gemacht. Wir haben uns also für einige Zeit trennen müssen. Du hast mich beschworen, Dich nicht zu verlassen, und als Beweis meiner aufrichtigen Zuneigung habe ich Dir versprochen, Dir in allen Einzelheiten zu berichten, was ich Dir in kurzen Zügen schon eröffnet habe. Ah, welches Opfer an Klugheit habe ich da gebracht! Aber Du kennst Deine Macht über mich. Du weißt, wie sehr ich Dich liebe. Dir gehören heute alle Empfindungen meines Herzens. Während sie unter anderen Umständen der Welt und der Gesellschaft gehören würden, erntest nur Du allein sie.

Nimm zur Versicherung dessen tausend Küsse, die ich Dir schicke. Sie werden Dir sagen, wie sehr ich dem süßen Augenblick entgegenseufze, da ich Dich wieder in meinen Armen halten werde. Ah, meine Liebste, warum ist dieser Augenblick noch nicht gekommen? Ich hoffe wenigstens, daß er bald da sein wird. Ich werde Dir ein Kleinod mitbringen, das jenem Valsays ganz ähnlich ist, aber viel weniger Gefahren in sich birgt. Es ist zwar nicht ganz so natürlich, doch sind seine Vorteile desto größer, und es ist ganz ohne jedes Risiko. Wenn es Dir gefällt, wird unsere Freundschaft durch seinen Gebrauch noch reizvoller werden. Und wenn Valsay sich eines Tages von Dir trennen sollte, nun, meine liebste Freundin, so verzichte doch auf diese gefährlichen Liebschaften, die eines Tages fatale Folgen haben könnten. Begnüge Dich mit dem, was ich dir geben kann. Oh, meine Liebste, vergessen wir alles, um einander umso inniger zu halten!

Erwarte mich bald, ich will in Deine Arme.