Das Wort Wahrsager findet man sehr häufig in der Bibel, was die alte Bemerkung rechtfertigt, daß es unter den heiligen Schriftstellern wenige oder keine Philosophen gegeben hat. Moses verbietet es strengstens, die Wahrsager zu befragen. „Wer“, sagt er, „sich nach den Wahrsagern und Zauberern umsehen wird, indem er Unzucht mit ihnen treibt, dem werde ich meinen Kopf gegen seinen stoßen!“ Es gibt mehrere Arten von Zauberern, die in der Bibel angezeigt sind.

Chaurnien heißt im Hebräischen so viel wie die Weisen. Dieser Ausdruck aber war sehr doppelsinnig und ließ verschiedene Bedeutungen von wahrer Klugheit, falscher, böser, gefährlicher, verstellter Klugheit zu. So gab es zu allen Zeiten Menschen, die weltklug und geschickt genug waren, um sich Anzeichen von Weisheit zu ihrem Nutzen, zum Durchsetzen ihrer Leidenschaften zu geben, um Studium, Wissenschaft und Talent die einzige Anwendung zu nehmen, die sie ehrt, will sagen zur Erforschung und Fortpflanzung der Wahrheit.

Die Mescuphinen waren die, welche in geschriebenen Dingen die verborgensten Geheimnisse errieten; Horoskopsteller, Traumdeuter, Wahrsager gingen ebenso zu Werke.

Die Carthuminen waren die Zauberer; durch ihre Kunst blendeten sie die Augen und riefen scheinbar phantastische oder wirkliche Veränderungen bei den Gegenständen oder in den Sinnen hervor.

Die Asaphinen benutzten Kräuter, besondere Apothekerwaren und Opferblut für ihre abergläubischen Handlungen.

Die Casdinen lasen die Zukunft aus den Gestirnen; sie waren die Astrologen jener Zeiten.

Diese ehrenwerten Leute, die sicherlich unsere Comus nicht aufwogen, waren in sehr großer Anzahl vorhanden. Sie hatten an den Höfen der größten Könige der Welt einen ungeheuren Einfluß. Denn der Aberglaube, der den Despotismus so gut bediente, hat sich immer seinen Gesetzen unterworfen, und am Busen dieses schrecklichen Bundes, der alle Leiden der Menschheit mit sich brachte, hat der Triumph des Aberglaubens stets geblüht. Die Diener der Religion waren zu geschickt, als daß sie den geringsten Teil ihrer Macht aus den Händen gegeben hätten: mit Sorgfalt wachten sie über alles, was Bezug auf das Wahrsagen hatte, sie gaben sich in jeder Beziehung für die Vertrauten der Götter aus und umgürteten sich leicht das Stirnband der Meinung der Menschen, die nichts wissen, ja nichts von der Weisheit ahnen, die beinahe das letzte ist, worauf des Menschen Eifer sich stürzt.

Von allen Völkern, die sich unter das Joch des Aberglaubens erniedrigt haben, ist keines ihm mehr zugetan gewesen als das der Juden. In ihrer Geschichte würde man eine unendliche Fülle von Einzelheiten über ihre närrischen und frevelhaften Verfahren zusammenstellen können. Die Gnade, die Gott ihnen erwies, indem er ihnen Propheten sandte, um sie seinen Willen zu lehren, wurde für diese plumpen und neugierigen Menschen eine Falle, der sie nimmer entgingen. Das Ansehen der Propheten, ihre Wunder, der freie Zutritt, den sie bei den Königen hatten, ihr Einfluß auf öffentliche Entscheidungen und Angelegenheiten stellten sie dermaßen hoch in der Menge, daß die Begier, teilzuhaben an diesen Auszeichnungen, indem man sich die Gabe der Weissagung anmaßte, zu einer so verheerenden Leidenschaft sich auswuchs, daß, wenn man von Ägypten gesagt hat, dort sei alles Gott, es eine Zeit gab, wo man von Palästina sagen konnte, alles dort sei Prophet gewesen. Zweifelsohne gab es mehr falsche als wahre; man weiß sogar mit aller Bestimmtheit, daß die Juden besondere Zauber und Zaubertränke hatten, um die Prophetengabe einzuflößen, zu denen sie menschliches Sperma, Menstrualblut und eine wahre Musterkarte anderer ebenso nutzlos wie ekelhaft zu verschlingender Dinge benutzten. Wunder aber sind in den Augen des Volkes eine so leicht zu handhabende Sache, und die fromme Dunkelheit der Reden, der apokalyptische Ton, der schwärmerische Akzent wirken so mächtig, daß die Erfolge der wahren und falschen Propheten, die ihre Zuflucht zu den Künsten und okkulten Wissenschaften nahmen, sich die Wage hielten. Aus allem schöpften sie Hilfsquellen, und es gelang ihnen, Altar gegen Altar zu errichten.

Moses selber sagt uns im Exodus, daß Pharaos Zauberer wahre oder falsche Wunder bewirkt hätten, daß aber er, der Abgesandte des lebenden Gottes und von dessen Allmacht unterstützt, ihrer sehr viel wirksamere ins Werk gesetzt hätte, die Ägypten schwer zu Boden gedrückt haben, weil das Herz seines Königs verhärtet war. Wir müssen sie fromm glauben und uns vor allem beglückwünschen, nicht Zuschauer dabei gewesen zu sein. Heute, wo die Illusion derer, die da Taschenspielerkünste machen, alles, was die Mechanik vorweist und was sehr geeignet ist, zu überraschen und irrezuführen, die erstaunlichen Geheimnisse der Chemie, die zahllosen Wunder, die das Studium der Natur und die schönen Versuche bewirkt haben, die tagtäglich einen kleinen Teil des Schleiers lüften, der ihre geheimsten Handlungen bedeckt, heute sage ich, wo wir von all dem bis zu einem bestimmten Grade unterrichtet sind, stünde es zu befürchten, daß unser Herz sich verhärtete wie das des Pharao; denn wir kennen unendlich viel weniger den Dämon als die Geheimnisse der Physik, und wie man bemerkt hat, scheint es, daß dank dem Geschmack an der Philosophie, der uns nach und nach die selbst bisher unübersteigbarsten Schranken berennen und überwinden ließ, das Reich des Dämons alle Tage mehr zusammensinkt.

Vielleicht würde die möglichst detaillierte Geschichte der Seher, Ränkeschmiede, Propheten und ihrer Aufführung und Wahrsagereien jeder Art, beschrieben oder durch das strenge und scharfsichtige Auge eines Philosophen enthüllt, ein sehr seltsames Buch ergeben. Doch unter allen denen, die er den geöffneten Augen der Nationen vorführen könnte, würde es keine wunderlichere als die geben, die vor einer traurigen Katastrophe eine Gesellschaft bewahrte, welche ihres Eifers für die Verbreitung des Glaubens wegen berühmt ist und die, zu überzeugt, daß dieser Glaube genüge, um das Dunkel der Zukunft zu durchdringen, mit einem sehr unklugen Leichtsinn in eine Verpflichtung einging, die sie ohne die unvermutete Hilfe eines sehr seltsamen Horoskopes nicht würde erfüllt haben können.