Das Klima, seine Temperatur, die Nahrungsmittel, dickes oder dünnes Blut, tausend rein physische Ursachen bilden Obstruktionen, die ihre Art des Seins beeinflussen. So könnte man, die Voraussetzungen weiterführend, die Wirkungen bis ins Unendliche variieren und an Hand der Ergebnisse beweisen wie die Erfahrung genugsam zeigt, daß es keinen Kopf gibt, er mag so gesund sein wie er will, der nicht eine recht verstopfte Röhre hätte.

Seltsam interessant und nützlich würde es also sein, zu erfahren, bis zu welchem Grade ein durch seine Vermischung mit dem Tiere aus der Menschenart herabgesetztes Wesen mehr oder weniger vernünftig zu sein vermag. Das ist vielleicht die einzige Weise, auf die man die Natur umzingeln könnte, der man so einen Teil ihres Geheimnisses zu entreißen vermöchte. Um aber dahin zu gelangen, müßte man die Produkte beobachten, ihnen eine passende Erziehung geben, und diese Arten von Naturerscheinungen sorgsam studieren. Mutmaßlich würde man aus diesem Wirken mehr Gewinn für den Fortschritt der Kenntnisse des Menschen ziehen als aus den Bemühungen, Stumme und Taube sprechen zu lehren und einem Blinden die mathematischen Wissenschaften beizubringen. Denn die zeigen uns nur die gleiche Natur, ein bißchen weniger vollkommen in ihren Bestandteilen, da das Subjekt, das man zu vervollkommnen sich müht, eines oder zweier Sinne ledig ist. Die Frucht einer Vermischung mit dem Tiere jedoch weist sozusagen eine andere Natur vor, die aber aus ersterer entstanden ist und würde Licht in verschiedene der Punkte bringen, um deren Erforschung alle denkenden Wesen so sehr bemüht sind.

Es ist schwerlich in Zweifel zu ziehen, daß es Produkte der menschlichen Natur mit den Tieren gegeben hat; und warum sollte es denn keine geben? Unzucht mit Tieren war bei den Juden so häufig, daß man befahl, die Frucht mit dem Erzeuger zu verbrennen. Die Jüdinnen hatten vertrauten Umgang mit Tieren[95)], und das ist meiner Meinung nach sehr seltsam. Ich verstehe, wie ein bäurischer oder verderbter Mann, überwältigt von der Wut des Bedürfnisses oder den Räuschen der Einbildung sich über eine Ziege, eine Stute, selbst eine Kuh hermacht, nichts aber kann mich mit dem Gedanken vertraut machen, daß ein Weib sich von einem Esel den Bauch aufschlitzen läßt. Indessen lautet ein Vers des Levitikus[96)]: „Welches Tier es auch sei.“ Woraus deutlich erhellt, daß die Jüdinnen sich jeder Art von Tieren ohne Unterschied hingaben, und das ist unfaßbar.

Wie dem auch sein möge, es scheint gewiß, daß es Produkte von Ziegen und Menschenart gegeben hat. Die Satyre, Faune, all diese Fabelwesen sind eine sehr bemerkenswerte Folge davon. Satar heißt auf arabisch Ziegenbock. Und der Sündenbock wird von Moses nur angeordnet, um die Israeliten von der Vorliebe abzubringen, die sie für das geile Tier hatten[97)]. Da im Exodus gesagt worden ist, daß man der Götter Antlitz nicht sehen könnte, waren die Israeliten überzeugt, daß sich die Dämonen unter ihrer Gestalt sichtbar machten[98)]; und das ist der Φασμαξσαγον, von dem Jamblique spricht. Auch im Homer trifft man auf diese Erscheinungen. Manethon, Dionysius von Halikarnass und viele andere weisen sehr bemerkenswerte Spuren von diesen ungeheuerlichen Produktionen auf.

Man hat später die Incubusse und Succubusse mit diesen wirklichen Produkten verwechselt. Jeremias spricht von beängstigenden Faunen[99)], Heraklit hat Satyre beschrieben, die in den Wäldern[100)] lebten und sich gemeinsam der Weiber erfreuten, deren sie sich bemächtigten. Eduard Tyson hat in gleicher Weise Pygmäen, Cynocephalen und Sphinxe behandelt, dann beschrieb er die Orangutangs und die Aigapithekoi, welche die Affenklasse bilden, die sich der menschlichen Art völlig nähert; denn ein schöner Orangutang zum Exempel ist schöner als ein häßlicher Hottentotte. Münster hat in seinem Werke über die Genesis und den Livitikus alle diese Monstren aus dem δσαγομοσωρ gemacht und die Dinge sehr viel seltsamer gefunden als die Rabbiner. Endlich gibt Abraham Seba diesen Faunen[101)] Seelen, woraus sich ergibt, daß man ihre Existenz nicht weiter ableugnen kann.

Über die Centauern und Minotauern liegen wahrlich keine ebenso genauen Nachrichten vor, aber die Unmöglichkeit besteht nicht mehr, daß es auch Produkte anderer Arten gegeben hat[102)]. Im verflossenen Jahrhundert ist viel von einem gehörnten Manne die Rede gewesen, den man dem Hofe zeigte. Man kennt die Geschichte des wilden Mädchens, einer Nonne in Châlons, die noch lebt und sehr wohl in einem Verwandtschaftsverhältnisse mit den Waldbewohnern stehen könnte. Der verstorbene Herr Herzog hatte in Chantilly einen Orangutang, der Mädchen vergewaltigte; man mußte ihn töten. Jedermann hat gelesen, was Voltaire über die afrikanischen Ungeheuer schrieb. Allem Anscheine nach ist dieser Erdteil, den man recht wenig kennt, das übliche Theater dieser widernatürlichen Begattungen. Gewißlich muß man ihre Ursache in der Hitze suchen, die in diesen Gefilden übermäßiger ist als an jeder anderen Stelle des Erdglobusses, weil der Mittelpunkt Afrikas, der im Äquatorialgebiete ist, viel entfernter vom Meere liegt als die anderen Teile der Erde, die unter gleichen Breitengraden liegen. Die ungeheuerlichen Paarungen dürften dort also ziemlich üblich sein. Dort mag die wahre Schule der Veränderungen, der Herabwürdigungen[103)] und vielleicht der physischen Vervollkommnung der Menschenart sein. Ich sage Vervollkommnung, denn was würde es Schöneres unter den beseelten Wesen geben als die Form der Centauern zum Exempel?

Unser berühmter Buffon hat in dieser Beziehung alles getan, was ein Privatmann, der über keine großen Mittel verfügt, sich gestatten kann. Wir haben die Folge dieser Verschiedenheiten bei den Hundearten, der Paarung verschiedener Tierarten, in der Geschichte der Produkte der Maulesel, einer ganz neuen Entdeckung, usw. Aber der große Forscher hat uns seine Erfahrungen über die Vermischungen der Menschen mit Tieren nicht mitgeteilt, und sie müßten gedruckt werden, damit die Möglichkeit bestünde, seine erhabenen Ansichten zu verfolgen, und damit wir, wenn wir ein so herrliches Genie verlieren, nicht der Früchte seiner Ideen verlustig gingen.

Unzucht mit Tieren ist weiter in Frankreich verbreitet, als man annimmt, glücklicherweise nicht aus Neigung, sondern aus Bedürfnis. Alle Hirten in den Pyrenäen sind Tierschänder. Einer ihrer kostbarsten Genüsse ist es, sich der Nasenlöcher einer jungen Kuh zu bedienen, die zu gleicher Zeit ihre Testikeln beleckt. In diesen wenig begangenen Gebirgsteilen hat jeder Hirt seine Lieblingsziege. Man weiß das durch die baskischen Priester. Und wahrlich gerade durch diese Priester müßte man die geschwängerten Ziegen überwachen und ihre Produkte sammeln lassen. Der Intendant von Auch könnte leicht zu diesem Ziele gelangen, ohne das Beichtgeheimnis zu verletzen[104)] (ein böser Religionsfrevel auf alle Fälle), er könnte sich diese ungeheuerlichen Produkte durch seine Priester verschaffen. Der Priester würde seinem Beichtkinde seine Geliebte abverlangen, die er dem Unterabgeordneten einhändigen würde, ohne den Namen des Liebhabers zu nennen. Ich sehe keine Unannehmlichkeit daraus entstehen, ein Übel, das man nicht mehr zu verhindern wüßte, zum Nutzen der Fortschritte der Kenntnis der Menschen auszubeuten.

Die Anoscopie

Bekanntlich haben in allen Jahrhunderten die Gaukler, Charlatane, Wahrsager, Politiker oder Philosophen (denn alle Sorten sind darunter vertreten) mehr oder minder Einfluß ausgeübt. Die unaufhörlich zwischen Furcht und Verlangen hin- und her geworfene Menschennatur bietet so viele Fallen für den Gebrauch derer, die ihr Ansehen oder ihr Glück auf der Leichtgläubigkeit von ihresgleichen aufbauen, daß es stets für sie im uferlosen Ozeane der menschlichen Narrheiten einige glückliche Entdeckungen zu machen gegeben hat. Und wenn man es dabei bewenden lassen wollte, die alten Zaubereien, die verjährten Torheiten in ein neues Gewand zu kleiden — dieser Köder steht so herrlich in Einklang mit der unwissenden und dummen Habgier des Volkes, für das er besonders bestimmt ist, da seine Wirkung unfehlbar ist —, könnten einige Nichtswisser und Halunken die Ausüber einer Kunst sein, durch die die Menschen so leicht zu betrügen sind. Philosophie und eine etwas mehr gepflegte Experimentalphysik reißen zweifelsohne eine große Anzahl aus ihrem Irrtum, doch stets wird nur ein kleiner Teil sein, wer sie oder den Fortschritt der Kenntnisse vom Menschen durchdringen kann.