Ich glaub's, glaub's, glaube Ihnen auf's Wort; Sie sind ein Prachtmensch. Setzen Sie sich hier an den Tisch, und nun sagen Sie mir einmal, wo, wie und was Sie gelernt haben. Was denken Sie z. B. von der neuen Gasometer-Konstruktion des Mr. Hotwater in Liverpool?

Ich sah aus dieser Frage, daß mein alter Herr selber das Ding sehr gut verstand. Ich nahm mich also zusammen und setzte ihm auseinander, weshalb mir die sogenannte neue Erfindung des Mr. Hotwater keineswegs gefalle, und weshalb ich derselben meine Methode bei weitem vorziehe. Dabei holte ich ein paar Zeichnungen, in denen ich meine Erfindung erläutert hatte, aus der Tasche, breitete sie vor Herrn Jäger aus, und weil mich das Ding selbst interessierte und ich außer meinem ehrlichen Ohnesorge noch Niemanden gefunden hatte, dem ich mich hätte mitteilen können, so wurde ich ganz warm in meinem Vortrag und sprach wohl eine halbe Stunde, während der Alte unaufhörlich nickte und »Hm, hm, ja, ja; sehr gut; ausgezeichnet« dazwischen murmelte. Dann, weil ich nun gerade im Zuge war, erzählte ich noch: wer meine Eltern waren, und so in aller Kürze meine ganzen Schicksale, wobei ich meine Sträflingsperiode zu erwähnen nicht vergaß. Als ich am Ende war, streckte mir der Alte das magere Händchen entgegen und sagte: Hier, meine Hand, Herr Roland; Sie sollen unser Direktor werden; zweitausend Taler jährlich fix, Dienstwohnung, freie Heizung und selbstverständlich Beleuchtung und fünf Prozent vom Nettogewinn. Sind Sie zufrieden?

Mir schlug das Herz bis an die Kehle, als ich den alten Herrn so sprechen hörte. Ich ergriff seine Hand und stammelte, ich wußte selber nicht was. Ich wußte nur, daß nun die Not zu Ende sei, und daß Ohnesorge den schönsten Frack haben sollte, den Schneiderhände machen könnten.

Und nun gehen Sie nach Hause, Herr Roland, sagte der Alte, ziehen Sie sich einen andern Rock an und kommen Sie heute um fünf wieder her und speisen Sie mit uns. Ich will Sie meiner Familie vorstellen, und hernach können wir den Kontrakt unterzeichnen. Aus Ihrer bisherigen Stellung treten Sie von diesem Augenblick aus. Ich werde sofort an Ihren Direktor schreiben und ihm die Veränderung, die in unserm Personale eingetreten ist, notifizieren. Vielleicht brauchen Sie Geld, junge Leute brauchen immer Geld. Hier sind hundert Taler Avance. Machen Sie keine Umstände. Hier unten Ihren Namen. Danke! Leben Sie wohl; auf Wiedersehen; fünf Uhr pünktlich!

Damit entließ mich der Alte; ich verbeugte mich, und dann weiß ich nicht mehr, wie ich zum Hause hinaus und in Ohnesorge's Wohnung gekommen bin. Ich weiß nur, daß ich mich in den Armen der treuen Seele wiederfand, der in einem fort weinte und lachte und dazwischen rief: Ich hab' es immer gesagt: Sie brauchen ja nur merken zu lassen, daß es Ihnen Ernst ist – da geht es ja von selbst.

Nun, ihr Herren, die Fortsetzung und das Ende von der Geschichte, wie ich um fünf Uhr zu Herrn Jäger kam und Frau Jäger und Fräulein Emmy Jäger und Herrn Breitkopf und Frau Breitkopf u. Co. vorgestellt wurde, wie ich bei Tisch neben Fräulein Emmy Jäger saß und nicht wußte, ob es der Champagner oder Emmy's schöne Augen – Herr des Himmels, die Frauen! man braucht blos von ihren Augen zu sprechen, so sperren sie sie auf. Hast gut geschlafen, Emmy?

Ich habe gar nicht geschlafen, du schlechter Mann, sagte die junge Frau, die mit ihren schlummerroten Wangen und in ihrer Verlegenheit so reizend aussah, daß Herr von Berkenfeld sich einen Knopf über der Brust aufmachen mußte.

Aber Ihr wollt doch unmöglich schon fort, Ihr Herren, sagte Gottlieb.

Der Assessor lachte. Schon? es ist ein viertel auf zwei.

Ach was, sagte Gottlieb; was tut denn das? die Uhr schlägt keinem Glücklichen.