Greggert selbst litt am schwersten darunter – um seiner schönen Geliebten willen. Er liebte sie nur um so mehr. Das stille, geheimnisvolle Mädchen hatte sein ganzes Herz. Ihr öffnete er seine Seele, bei ihr vergaß er die Sorgen des Tages; zu ihr flüchtete er in aller Qual des Lebens. Wenn sie neben ihm saß in ihrer ruhigen Weise, strickend, auf einen Scherz von ihm kurz und eigentümlich lachend; wenn sie, ohne zu sprechen, an seiner Brust lag, ganz ihm mit aller Seele ergeben – das war sein Glück, ein Glück, das er nie gekannt.

Endlich war das Gerücht auch Frau von Meinstorff zu Ohren gekommen. Sie hatte nicht Stolz genug, sich von ihrem Manne zu trennen: in einem furchtbaren Jähzornausbruch wollte sie ihre Rechte behaupten, und erreichte nur das Gegenteil.

Die Stellung des Stallers wurde unhaltbarer mit jedem Tage. Er selbst sah es ein.

Am nächsten Sonntag, als er wie gewöhnlich in seiner Emporloge saß, fühlte sich ein junger eifriger Geistlicher gemüßigt, das sechste Gebot in seiner Predigt auseinander zu setzen. Er ging zu Beispielen über, und nachdem er von David und Bathseba gesprochen, tadelte er scharf, ohne Namen zu nennen, aber doch für jedermann verständlich, das offenkundige Verhältnis.

Er hatte schon nach einer Stunde, nachdem die Rede geendigt, vom Staller den Abschied. Und das war Greggerts Todesstoß.

Am Nachmittage dieses Tages schrieb er einen langen Brief an den König. Aber hier durfte er kaum Verzeihung hoffen. Er schrieb ihm, wenn ihm ein natürlicher Sohn geboren würde, diesem seinen Namen geben zu wollen; er sei der Letzte seines Geschlechtes: es läge eine Art Berechtigung in seiner Bitte.

Am Abend wurde es stürmisch. Der Staller ging nicht zur Ruhe. Wie in tödlicher Angst bestieg er öfter den dicken steinernen Turm seines Hauses. Er fand keine Ruhe, die er sonst gefunden, je stärker der Wind ihn umsauste und zerzauste.

Als er gegen Morgen, es war eine kalte Märznacht gewesen, noch einmal den Turm bestieg, bemerkte er im Norden der Insel einen ungeheuern Feuerschein. Er überzeugte sich bald, daß dieser von der Hallig Buphever, die durch einen breiten Meeresarm von Schmerhörn getrennt war, herüberleuchtete. Es mußten dort mehrere Werften brennen.

Plötzlich zitterte er am ganzen Körper, er legte die Stirn gegen den Wind, er schien zu suchen, und er hatte gefunden. Ruhig stieg er in sein Arbeitszimmer hinab und kleidete sich zum Weggehen an. In diesem Augenblick wurde es im Hofe lebendig: der Feuerschein war auch von der Dienerschaft bemerkt worden.