Der Staller war in Silks Zimmer getreten; in die Schenkstube … nun, das paßte sich auch nicht für ihn.
Er bat Silk, ans Fenster zu treten, und erzählte ihr, auf die See weisend, von dem gestrigen Unfall; dann mußte sie ihm über die Gegend, über die Werften, die er doch alle genau kannte, Auskunft geben.
Greggert Meinstorff hatte eine unruhige Nacht, unablässig schritt er in seinem Zimmer auf und ab und murmelte leidenschaftlich Silks Namen. Die Liebe hatte ihn mit aller Gewalt gepackt. Noch kämpfte er, ob er wieder das Wirtshaus mit seiner schönen Insassin besuchen wollte, und schon am nächsten Tage war er auf dem Wege nach dem Westerdeich. Silk hatte ihn erwartet. Als sie seine Schritte hörte, ging sie in die Küche. Er trat in ihr Zimmer, und gleich darauf erschien auch sie in dem Gemache, als sei plötzlich eine weiße stille Rose aus der Knospe gesprungen. Der Staller zog sie an sich und küßte sie. Sie wehrte ihm nicht, aber erwiderte auch nicht seine Liebkosungen.
Schon rauschte die Sense über der zarten Blume: von Mund zu Mund ging es auf der Insel: der Staller hält es mit Silk Frerksen.
Arme Silk! Was hatte sie nun zu leiden. Aber sie ertrug alles, ertrug es seinetwegen. Sie wußte, daß auf allen Straßen Aufpasserinnen standen, daß, wenn Greggert bei ihr war, Lauscher überall wie Schatten an den Fenstern und Türen standen. Arme Silk!
Auch Greggert fühlte es. Aber wie in einem verzauberten Turm kam er sich vor, ohne Ausgang mehr in die Welt. Er überschüttete sie mit Geschenken.
Wie zum Hohn hatte er eines Tages seine Frau mit zu Silk genommen. Er wollte mit ihr eine Fahrt in See machen. Wie immer, war die eigne Frau die einzige, die nichts ahnte. Als sie die verwunderten Augen Silks auf sich gerichtet sah, kam ihr eine Ahnung; aber sie schob sie zurück als eine Unmöglichkeit.
Als am Abend dieses Tages der Staller Silk besuchte, trat wie eine heiße Sonne aus weißgeballten Sommerwolken zum erstenmal ihre Leidenschaft hervor. Hatte sie nie gewagt, seine Liebkosungen zu erwidern, hatte sie, wenn er sie an sich zog, still den Kopf gesenkt – heute legte sie wie Schlangen ihre Arme um seinen breiten Nacken und küßte ihm die Lippen.
Ehebruch war und ist bis auf den heutigen Tag bei den Nordfriesen etwas Unerhörtes. Und nun sah die ganze Insel, wußten es die Halligen und das Festland den Eilanden gegenüber, der Küstenklatsch, daß der Staller in offnem Ehebruch lebte.