"Ich verlasse dich, Herkules!" sagte der Este. "Nur eines muß ich noch wissen: Woher deine tödliche Blässe, die mich erschreckte, da ich dir hier entgegentrat?"

"So höre denn das Ende des Auftritts und das Meuchelwort des Herzogs! Zuerst sagte er ruhig und finster: 'Euer Bildnis der Herzogin, Bembo, ist treffend und nicht geschmeichelt.' Er fixierte uns beide. Mit meiner Miene schien er nicht zufrieden. Es erhob sich etwas Heißes in ihm, und er wandte sich drohend gegen mich. 'Ich frage mich, Strozzi', sagte er, 'ob Eure Leidenschaft nicht gelegentlich Euern Gehorsam gegen den Fürsten und das Gesetz zu Euerm Unheil ins Wanken bringen könnte! Nicht zwar auf Euerm eigensten Boden in Rechtsfragen, da halte ich Euch für unbestechlich und unterordne mich Eurem Urteil. So bin ich zum Beispiel überzeugt, daß Ihr in dem Erbstreite meines Fiskus mit dem Grafen Contrario das Recht finden werdet. Auch wird Euch hier die Herzogin trotz ihrer Begünstigung des Grafen nie irreleiten; aber es gibt einen Fall und eine Stunde, die sie ihres klaren Sinnes berauben werden. Ihr verderblicher Bruder wird Italien wiederum betreten und uns verwirren. Ich werde meinen Untertanen jede Verknüpfung mit ihm verbieten. Doch meine erste Untertanin, die Herzogin, wird nicht gehorchen; denn sie kann es nicht, es steht nicht in ihrer Macht. Mit den härtesten Strafen werde ich verhüten, daß sie kein Werkzeug finde, und doch wird sie eines finden… Euch wird sie ergreifen, Herkules Strozzi. Damit ist Euer Haupt verwirkt. Ich werde Euch richten. Nicht öffentlich, denn es ist eine Familiensache und eine Staatssache, die beide das Geheimnis fordern. Man wird Euch tot auf der Straße finden.'—Hier erblaßte Bembo, und du sagst, daß auch ich blaß geblieben bin.—Unbeirrt und gemessen jedoch fuhr der Herzog fort: 'Bembo, Ihr seid vor Gott und Menschen mein Zeuge, daß dieser nicht ungerichtet stirbt! Du aber, Herkules Strozzi, siehe zu, wie du der Herzogin und mir entrinnest!' Jetzt brachte ein furchtsamer Schreiber die Rolle für den Papst, und wir waren entlassen. Ich begleitete den Venezianer zu seinen Dienern und Pferden. Den Fuß schon im Steigbügel, flüsterte er mir zu: 'Hüte dich vor dir selber, Herkules!'"

Don Giulio schauderte. Strozzi berührte flüchtig seine Lippen und sagte: "Nun reise auch du schnell und glücklich!"

"Diesen Abend noch!"

"Nein, sobald du aus dem Schlosse trittst!" sprach der Richter und stieg die Treppe hinunter, während der andere seinem Bruder, dem Kardinal, nacheilte.

Fünftes Kapitel

Diesen fand er mit dem Herzog in einer schmalen, hohen Kammer, die ein einziges großes Fenster erhellte. Es war ein geheiligter Raum, den zu betreten dem Hofe untersagt war. Die Wände waren mit Plänen und Karten bekleidet, und in der Mitte auf dem breiten Schreibtische, an dem der Herzog, die Stirn in die Hand gelegt, sich niedergelassen hatte, ruhte ein Globus.

Sowie sich die Brüder vor ihm gegenüberstanden, blitzten sie, durch den bloßen Anblick ihrer Gesichter gereizt, sich feindselig an, und während der Herzog mit einem Zuge der Besorgnis zuhörte, überschüttete der Kardinal Don Giulio mit zornigen Worten.

"Ich verlange", rief er, "daß Eure Hoheit diesem Nichtswürdigen den Hof verbiete; ich will, daß er Ferrara meide ewiglich und uns nicht länger das Ärgernis seiner Nichtigkeit und Straflosigkeit gebe. Er beschämt und entehrt unser Geschlecht! Stoße ihn aus, Bruder!"

Unter so unerhörter Beleidigung zuckte Don Giulio zusammen. Er bäumte sich unter dieser Geißelung; es war, als ob sich seine Züge vergrößerten und ein edleres Urbild durchschiene, das sich empört erhebe gegen solche Erniedrigung.