Da ließ sich draußen eine scharfe Stimme vernehmen, und alle drei wendeten sich gegen den Eingang der Kammer. Es war Don Ferrante, der Einlaß begehrte und in meckernden Tönen zu rezitieren begann, denn neben andern Torheiten huldigte er auch der, zuweilen in Versen zu reden:

"Holdsel'ger Anblick, selten, aber wahr:
Drei Brüder schließen liebend sich zusammen,
Die von verschiednen schönen Müttern zwar,
Doch von demselben edeln Vater stammen!
Sie würgen sich, und sie ersticken gar
Sich in Umarmungen und Liebesflammen.
So groß ist ihr Verlangen und Entzücken,
Sich gegenseitig an die Brust zu drücken!
Der vierte kommt, den dreien anzusagen,
Daß im Boskett, wo Amor liegt in Banden,
Wo die Gelehrten unsrer Fürstin tagen,
Ein philosophischer Disput entstanden.
Es handelt sich um nadelspitze Fragen,
Und eine Lösung ist noch nicht vorhanden.
Erlauchte Prinzen, laßt Euch nicht verdrießen,
Auch Eures Witzes Bolzen abzuschießen.

Komm, Brüderchen! Die Königin von Ferrara gebietet."

Er faßte Don Giulio unter dem Arme und lud den Herzog und den
Kardinal mit einer gezierten Handbewegung zum Vortritte ein.

Sechstes Kapitel

Während die ernsten Gestalten des Herzogs und des Kardinals zusammen durch den langen Mittelgang des Gehölzes schritten, stellte sich das darin lustwandelnde Hofgesinde rechts und links zu ehrerbietiger Begrüßung auf, wenn es sich nicht in anständiger Flucht auf Nebenpfaden, die zu irgendeiner geheimen Lästerbank führten, ins Dickicht verlor.

Wer von ihnen hätte begreifen können, daß der Mann im Purpur mit dem bedeutenden Kopfe und den durchgearbeiteten Zügen, wie sie große politische Geschäfte ausprägen, gleich einem Verdammten leidend, in den Banden eines von ihm sich abwendenden jungen Mädchens lag. Ähnliches sagte sich der Herzog, und der Kardinal erriet dieses schweigende Urteil.

"Keine Sorge, Bruder", begann er beschwichtigend, "wegen meiner und des Mädchens! Ich überwinde… eines von beiden: mich oder sie! Nur Don Giulio muß aus der Mitte geworfen werden. Und du schaffst mir ihn weg, den mit den vorwurfsvollen Augen!"

Der Herzog blickte den noch immer vor Leidenschaft Zitternden verwundert an. Dann warf er einen Blick rückwärts nach den ihm folgenden Brüdern und sah Don Ferrante, der den Gehaßten fast gewaltsam vom Wege in das Gebüsch zog.

"Sieh dich um", sagte er zum Kardinal. "Dort schleppt der Verschwörer Ferrante den unschuldigen Giulio in ein Versteck, um ihn in eines seiner närrischen Komplotte gegen uns einzuweihen. Zu solchem Verrat aber, das mußt du mir zugestehen, gibt sich der leichtherzige Knabe nicht her."