"Die ich scheue und achte!" wiederholte der Kardinal gedankenabwesend. "Und mit wem wird Donna Lukrezia sie vermählen? erkühne ich mich zu fragen."
"Das überlassen wir ihrer Klugheit", sagte der Herzog. "Ich für meinen Teil denke, es wäre nicht unweislich gehandelt, sie dem Grafen Contrario zu geben."
Nun war es seltsam, wie bei der Nennung dieses in Italien Reichtum und Ehrbarkeit bedeutenden Namens beide feindlichen Brüder in ein einträchtiges und einstimmiges Hohngelächter ausbrachen.
Dann aber wandte sich der Kardinal mit erneuter Wut gegen seinen
Mitlacher.
"Es sei!" schrie er. "Donna Lukrezia verfüge! Sie wird etwas anderes finden, oder Donna Angela sich selbst besser beraten. Wenn nur dieser Auswurf der Este", er deutete auf den jungen Bruder, "aus dem Spiele bleibt!" Und so tötende Blicke schoß er gegen ihn, daß dieser erbleichte.
Jetzt schwindelte Ippolito auf dem Gipfel seines Hasses; er fühlte, daß er die Besinnung verliere und einer Ohnmacht nahe sei. Sich an die Stuhllehne des Herzogs klammernd, keuchte er in abgebrochenen Worten:
"Wenn dir dein Leben lieb ist, Bruder, so entweiche aus meinem Gesichtskreis! Verlaß Ferrara! Noch zu dieser Stunde!… Jetzt gleich!… Geh!…" Don Giulio betrachtete den Kardinal mit erschrockenen Augen. Ihm schien, daß ihn dieser unwillkürlich und aufrichtig warne vor den mörderischen Ausbrüchen seines Hasses, und er beschloß, ihm zu gehorchen.
"So tue ich, Kardinal!" sagte er und wollte sich entfernen. Doch der
Herzog gebot anders.
"Keine Übereilung!" hielt er ihn zurück. "Nichts Auffallendes! Nichts, was Mutmaßungen und Gerede verursachen könnte! Begebt Euch jetzt in den Kreis der Herzogin. Unterhaltet sie und lasset gelegentlich einfließen, Eure Lust am Kriegswesen sei wieder erwacht, und da jetzt die Euerm Dienste in Venedig entgegenstehenden Staatsgründe weggefallen wären, so kehrtet Ihr dahin zurück. Ich hätte Euch Urlaub gegeben, wenn auch ungern."
Don Giulio verneigte sich gehorsam.