Da stieß ihn Firlefanz beiseite. "So laß uns zweie machen, Kapaun!
Desto besser, wenn wir nicht mit dir teilen müssen!"

Das wollte nun Kratzkralle auch nicht. Der Kardinal ließ seinen
Beutel fallen und ging auf dem Pfade, den er gekommen war, nach dem
Boskette, ohne zurückzulauschen.

Hier aber war nicht nur der eherne Amor gefesselt, sondern alle Geister der Unterhaltung lagen in Banden. Man saß, in der Schwüle schwer atmend, zusammen und konnte bei der sinkenden Nacht kaum mehr die Züge des Nachbars unterscheiden. Eine bleierne Müdigkeit und zugleich die beklemmende Angst einer Erwartung lähmte die Glieder, wenn auch nur das Warten auf die Flammen und Donner eines Gewittersturmes, dessen Fittiche zur Stunde noch gebunden waren.

Da plötzlich zitterte durch die Luft ein Geschrei. Solche Schreckens—und Schmerzenstöne, daß alle Herzen bebten und alle Pulse stockten!

"So brüllt der Stier des Phalaris!" rief der entsetzte Ariost. "Wo bleibt Don Giulio!" Er stürzte fort.

Da kam er mit ihm zurück, der sich, der Unglückliche, an ihn anklammerte und von ihm vorwärts schleifen ließ.

"Bruder! Herzog!" rief der vor Schmerz Sinnlose, "wo bist du? Hilf mir, räche! strafe!"

"Fasse dich, ärmster Bruder! Was geschah? Was tat man dir?" sprach ihm der Herzog zu, während ihn alle umringten.

"Der Kardinal ließ mich meuchlings überfallen! Er hat mir die Augen ausgerissen!"

Man schrie: "Bringt Fackeln! Holt Ärzte!" während Don Giulio, den ihn aufhaltenden Ariost mit sich reißend, vorwärts strebte und die Arme nach dem Kardinal ausstreckte, der neben dem Herzog stand und dessen Gegenwart er fühlte. Seine ungewisse Hand fuhr in die Falten des Purpurs, in den er, auf das Knie stürzend, sich verwickelte und das blutige Haupt begrub.