"Du willst, o Bruder, nach der Krone greifen!
Doch reckst du in die Höhe dich vergebens!
Doch wehren die Dämonen dir den Reifen!
Oh harte Qual des bodenlosen Schwebens!—
Ich aber bin ein König… und entthront…
In Wahrheit war ich König dieses Lebens!
Ich hatte Götteraugen, war gewohnt
Zu herrschen—was sie sahen, war mein eigen.
Doch weh, der Mörder hat mich nicht verschont…
Ich bin geblendet! Elend ohnegleichen!"
"Don Giulio", sagte dicht neben ihm eine weiche Stimme, "es gibt einen noch tieferen Abgrund des Elends—es gibt Unseligere als du bist! Das sind die, welche die Wonne ihres Lebens unbedacht und ungewollt selber auf ewig vernichten!"
Und er hörte gewaltsam schluchzen und spürte einen warmen Hauch und einen Schauer von Tränen, die auf seine Hände fielen.
Träumte oder wachte er? Er streckte bebend seine Hände aus und ergriff zwei andere, die in den seinigen zitterten.
"Wer bist du?" sagte er. "Wer darf sich noch unglücklicher nennen als der verstoßene Blinde?"
Und die Stimme: "Ich bin Angela Borgia, die deine Augen über alles liebte und sie zerstörte, dadurch, daß sie einem Bösen ihre Schönheit lobte."
Er ließ ihre Hände fahren und sprang erbleichend auf, wie wenn er fliehen wollte, stieß sich aber an der Ecke der Steinbank und schwankte.