Mit einem Strome von Tränen stürzte sie vor ihm nieder und umschlang und stützte seine Knie:
"Es ist unmöglich, daß du mir verzeihest!… Oh, könnte ich dir meine eigenen Augen geben, ich risse sie mir aus dem Haupte!… Aber, was ich dir nahm, kann ich nie dir ersetzen!… Wo ist meine Sühne? Wie soll ich büßen?"
"Arme Angela", sagte er sanft, indem er sich von ihr zu lösen suchte, "geschehen ist geschehen! Deine Schuld verstehe ich nicht—aber ich sehe, daß auch du in das Tal des Unglücks verstoßen bist. Zweimal wehe über ihn, der uns beide gemordet hat!… Dich und mich!… Sühnen kannst du nicht! Meine Augen kannst du nicht neu schaffen! Laß mich allein! Gehe und vergiß!"
Dann wandte er sich und ging. Nicht einmal zu stützen wagte sie ihn, kaum mit den Augen zu begleiten.
Er schien ruhig, aber seine Schritte schwankten. Der Alte bei der
Barke sah es, eilte ihm besorgt entgegen, setzte ihn über und
geleitete ihn mit den andern Dienern wie ein krankes Kind in sein
Schloß.
Dort warf er sich im kühlen Saale auf sein Lager und brach in wilde
Tränen aus.
So war es denn Wahrheit, was er für eine schauerliche Verzierung und phantastische Lüge Don Ferrantes gehalten, sooft ihm der Bruder die Ereignisse jenes Abends im Boskette des gefesselten Amors erzählte!…
Der Kardinal hatte das Lob Angelas an ihm gerächt!
Aber wo war die Schuld, die das Mädchen erdrückte?
Mit teuflischer Bosheit hatte er ihr das verderbliche Wort aus dem Munde gezwungen, und hätte sie feige geschwiegen und ihn beschimpfen lassen, der Arge hätte bald eine andre Gelegenheit gefunden, die spröde Kälte des Mädchens an ihm, dem völlig Unbeteiligten, den der Zurückgewiesene bevorzugt glaubte, satanisch zu rächen.