Und auch sie hatte der Ruchlose tödlich getroffen!

Ein rasender Zorn gegen den Schuldigen und nicht minder gegen den die
Missetat ungestraft lassenden kaltherzigen Fürsten bemächtigte sich
Don Giulios, kochte in seiner Brust und brauste durch seine Adern.

Er lechzte nach dem Untergange beider! Er sprang vom Lager auf, riß ein Blatt aus seinem Taschenbuch und schrieb an Don Ferrante mit zornigen, mißgestalteten, durcheinanderspringenden Buchstaben, er stelle zum Morde des Herzogs und des Kardinals sich an seine Seite.

Der berittene Bote war von dannen geeilt, bevor Don Giulios Blut sich beruhigte und er erwägen konnte, was er getan.

In der nächsten Frühe erschien in Pratello der Oberrichter Strozzi mit bewaffnetem Gefolge und verhaftete den Este.

"Ei, schön! Dein erster Besuch, mein Freund, nach meinem Unglück!" rief ihm der Blinde bei seinem Eintritt höhnisch entgegen.

"Es war mir vom Herzog untersagt", versetzte dieser in richterlichem
Tone.

"Vom Herzog untersagt?… Hat dir der Herzog nicht auch untersagt, Schatz, mit seinem Weibe täglich und stündlich im Geiste, wie du tust, die Ehe zu brechen?… Aber dein Gericht erwartet dich, du getünchte Wand!"

Mit diesen Worten streckte Don Giulio die Hände den ihn fesselnden
Schergen entgegen.

Achtes Kapitel