Verzehrt bis zur Entkörperung, leicht gebückt, mit durchdringenden
Augen unter der kahl und hoch gewordenen Stirn, schien er lauter
Geist zu sein, grausam und allwissend.

Seine Diener rückten ihm einen Stuhl an den Herd, und er setzte sich neben die Flamme, während die Herrlichkeiten sich ihm zuwandten.

"Ich bin zum Hochgericht gekommen, obgleich mich niemand rief", sagte er mit leiser Stimme…

"Doch ich habe eine Bitte an dich, Bruder!…"

Schon aber hatte sich die verzweifelte Angela von den Knien erhoben, stand vor dem Feuer und unterbrach ihn…

"Trittst du immer der Gnade in den Weg, Widersacher! Beruhige dich, du wirst Blut trinken! Hier ist keine Gnade… Hier ist die Hölle!… Um dich, mit dir, in dir war die Hölle von Anfang an! Ist es doch ein Wort des Heilands, das dich zum Greuel trieb! Das uns beide in die Verdammnis wirft!

Die Purpurfarbe des göttlichen Erbarmens dringt durch bis in das persische Märchen, sagte diese hier",—sie ergriff Lukrezias Hand— "aus deinem Purpur aber, Kardinal, bricht Haß und Blut hervor, sobald man den heiligsten der Namen nur nennt!…"

"Schweige, törichtes Mädchen!" bebte es von den Lippen des Kardinals.
"Ich könnte dich erwürgen! Ich bin deiner—ohne Gewährung—
übersatt. Du bist mir ein Abscheu!… Du hast mir die Augen meines
Bruders verhaßt gemacht, die Himmelsaugen, die mich früher voll
Vertrauen anschauten!"

"Krank, und immer noch grausam, Ippolito?" sagte die Herzogin und zog
Angela in ihre Arme. "Hat diese nicht recht, wenn sie sagt, daß die
Fabel Ben Emins etwas an alledem verschuldet hat?"

Der Kardinal wandte sich langsam gegen seine Schwägerin, und seine
Augen brannten.