Die Diener, welche ihm die Tür öffneten, wegdrängend, trat der Herzog ein.

"Ich komme von Rom", begann der Staubbedeckte, "und bin scharf geritten, da ich mich nach Euerm Antlitz sehnte, liebe Frau"—er ergriß und küßte ihre Hand—"und bin herzlich froh, wieder bei Euch zu sein! Doch bedaure ich, Euch eine Trauerbotschaft zu bringen. Euer erlauchtester Bruder, der Herzog von Romagna, ist nicht mehr unter den Lebenden.

Die Nachricht ist sicher. Sie kam über Neapel und fand mich in Rom."

Er zog einen Brief aus dem Wams und entfaltete ihn.

"An den Iden des Märzes, wie einst der römische Julius Cäsar, sein Vorbild und Namenspatron, fiel Don Cesare in einer Schlucht vor dem spanischen Schlosse Viana, das er im Dienste seines Schwagers, des Königs von Navarra, mit großer Tapferkeit berannte.—Also steht hier geschrieben."

Solches berichtete der Herzog mit diplomatischer Genauigkeit. Doch fügte er bei: "Ein früher und ritterlicher Tod!" Dann schloß er mit Frömmigkeit:

"Requiescat in pace! Requiem aeternam dona ei, domine!"

Während dieser Rede beobachtete er die Herzogin aufmerksam.

Diese war eine Weile versteinert gestanden. Dann brach sie mit einem
Schrei zusammen und sank in die Knie. Nicht anders als ein geraubtes
Weib, welches ihr von einem Pfeile durchbohrter Entführer plötzlich
fallen läßt.

Auch der Herzog, der keine Dämonen kannte, sah sie aus unsichtbaren, sie umklammert haltenden Armen stürzen. Er hob die Gesunkene an seine Brust, die sie mit ungezähmten Tränen überströmte.