"Du mußt wissen… laß dir's sagen… ich verriet dich… ich mißgehorchte dir…", schluchzte sie erstickend.

Der Herzog aber beruhigte sie liebevoll. "Jetzt, Lukrezia", sagte er, "erst heute wirst du ganz und völlig die Meinige. Siehe, bis dahin besaß dich der Geist deines Hauses, der mein Gefühl beleidigt und mein Urteil herausfordert. Ich habe mich mit dir vermählt aus Staatsgründen und aus Gehorsam gegen meinen Vater, ohne dich zu kennen, außer durch das unheimlichste Gerücht. Höchst widerwillig! Als ich dich aber erblickte, bezaubertest du mich! Denn welcher Sterbliche mag dir widerstehen?

Auch erfüllte mich dein guter Wille, den ich wohl unterschied, und dein ernstes Bestreben, dich von den unmöglichen Sitten und dem gesetzlosen Denken deiner Familie zu trennen und den schützenden Boden eines rechtlichen Daseins zu betreten, mit Sympathie, ja mit Ehrerbietung. Das Blut der Borgia begehrte täglich in dir aufzuleben und dich zurückzufordern. Doch, siehe, nun bist du frei geworden. Die Deinigen alle sind verstummt und bewohnen die Unterwelt, woher keine Stimme mehr verwirrend zu den Lebenden dringt."

Lukrezia seufzte schwer. Es war ein tiefer Schmerzenston und zugleich ein Aufatmen der Erleichterung und Entbürdung. Und dann kam, wie das Blut aus einer Wunde sprudelt, ein reuiges Klagen, ein verzweifeltes Sichgehenlassen, ein nacktes Geständnis dessen, was sie von jeher für Cäsar gesündigt und von ihm erlitten.

Don Alfonso erfuhr nichts Neues. Aber Angela, deren Gegenwart
Lukrezia unter der Übermacht ihres Gefühles vergaß oder für nichts
achtete, wechselte die Farbe und erduldete für die andere alles
Entsetzen des Frevels und alle Qualen der Schande.

Jetzt umfing Lukrezia, vor dem Herzog niederstürzend, seine Knie, ergriff seine Hände und bedeckte sie mit Küssen. "Ich bin die Maria Magdalena", schluchzte sie. "Mein Herr hat mir vergeben, und jetzt ist kein Teilchen meines Wesens mehr, das nicht sein eigen wäre… Ich habe das Leben verwirkt, dein Gebot übertretend, aber du schenkst es mir! Und nun darf es nicht mehr mein, sondern es soll das deinige werden!…

Herr", sagte sie unversehens mit einer schmeichelnden Gebärde, "ich habe ein Anliegen an Euch."

Der Herzog glaubte, sie wolle ihm von Strozzi reden und zog die
Brauen zusammen.

"Gestattet mir", bat sie, "daß ich von nun an den Bußgürtel trage!"

Don Alfonso lächelte. "Ich erwartete ein anderes Ansinnen", sagte er.