Ungestüm trat Strozzi auf, mit flammenden Augen und eherner Stirn, gebräunt von Wind und Sonne des Feldzugs. Ungeladen rückte er sich einen Schemel zu Füßen der Herzogin.

Diese war völlig ohne Furcht. Ihr von den reichlich vergossenen
Tränen gebadetes Angesicht war hell und friedlich.

Strozzi täuschte sich keinen Augenblick darüber, daß er mit dem Tode
Don Cesares für sie zu einem Schatten, zu einem Nichts geworden war.
Und doch war er gesonnen, durch den Gefallenen ewig mit ihr verbunden,
nicht von ihr zu weichen.

"Erzähle ich Euch", fragte er, "die letzten Augenblicke des Bruders?"

"Nein, Strozzi. Ich weiß, daß er nach der Art seines Hauses tapfer unterging, und weiß, daß er in Pampelona mit allen christlichen Gebräuchen bestattet wurde—der Ärmste."

Von jetzt an nannte Lukrezia den Dämon, der ihr Bruder gewesen war, nicht anders mehr als den Ärmsten, so wie sie ihr Ungeheuer von Vater längst den Guten nannte.

Dann fuhr sie mit einem Seufzer fort: "Der arme Bruder bedarf der
Fürbitte! Und noch heute nacht werde ich mich, um dieser Pflicht zu
genügen, zu den Klarissen zurückziehen, in Übereinstimmung mit dem
Ermessen meines erlauchten und geliebten Gemahls."

So sagte sie, und es war ihr Ernst, ohne sich von dem Hohngelächter in den Augen des Richters über die Frömmigkeit Lukrezia Borgias und ihre Liebe zu Don Alfonso im mindesten stören zu lassen. Eine Pause entstand.

"Ich habe einen Auftrag meines Gemahls an Euch", sagte die Herzogin. "Ihr habt Euch schwer gegen ihn vergangen, Strozzi, seinem Befehl geradezu entgegenhandelnd. Auch gegen mich, indem Ihr meiner Torheit gehorchtet, obwohl Ihr sehen mußtet, daß mich die flehende Forderung meines Bruders aus den Schranken der Pflicht geschleudert hatte. Wehe dem Manne, der einer Pflichtlosen traut!

Die Engel haben mich Stürzende gerettet, und ich, mit der Gnade
Gottes, möchte Euch retten.