Der Herzog will Euch die zweifache Schuld gegen ihn und mich vergeben, unter einer einzigen Bedingung, Strozzi! einer leichten Bedingung… daß Ihr Ferrara verlasset noch diese Nacht und nimmermehr zurückkehret. Benützet diese seltene Gunst! Es ist ganz gegen die Weise des Herzogs, einen vorzüglichen Diener, wie Ihr seid, zu entlassen und einem andern italienischen Staate zu gönnen! Denn nicht einmal Italien sollt Ihr meiden…"

"Du verlierst deine Mühe, Lukrezia", unterbrach sie Strozzi zügellos, "ich weiche nicht aus Ferrara, noch von dir! Wir gehören zusammen, Don Cäsars Wille hat uns vermählt!"

Lukrezia lächelte schwach. Dann flehte sie, den durchsichtigen Schleier der Scheinheiligkeit, in den sie sich verhüllt hatte, abwerfend, mit bittenden und trauernden Augen:

"Wenn ich dir wert bin, Herkules, so rette dich! Ich mag und will dich nicht auf der Seele haben!… Liebst du mich", lispelte sie, "so fliehe!"

Da empörte sich die stille Angela gegen diese Verführung—selbst zum
Guten, zur Rettung.

"Richter", wandte sie sich mit heißen Wangen gegen Strozzi, "es ist schmachvoll, daß Ihr zaudert. Fort aus Ferrara! Wie? Ein Mann, den die Jugend als ihr Vorbild bewundert, ein Lehrer des Rechts, hat nicht die Kraft, mit dem Bösen zu brechen und den Zauber eines armen Weibes zu fliehen!—Errötet!…"

"Was träumt diese da von Gut und Böse?" überschäumte Strozzi und
sprang in die Höhe. "Was phantasiert sie von Recht und Unrecht?…
Es gibt kein Recht!… Dieser schöne Frevel hier", er blickte auf
Lukrezia, "hat es getötet!

Du aber, Mädchen, schweige! Was verstehst du von Liebe! Eine, die den Liebsten blendet—einkerkern läßt—seinen Kerkermeister nicht besticht—sich nicht in seine Arme schleicht—nicht sein Weib, seine Magd wird—was weiß eine solche von Liebe!

Denn Liebe", flüsterte er geheimnisvoll, "läßt ihr Ziel nicht! Nimmermehr! Nimmerdar! Morde mich, Lukrezia! Hier!" und er zeigte auf sein Herz.

Sie starrte den Richter mit bleichen Augen an, und alle Lieblichkeit war von ihr gewichen.