Auf der andern Seite freilich ist mir unlieb, daß die Contrarier so unbestreitbar das innere Recht für sich haben, als ich das äußere."

"Evident!" spottete der Richter.

"Da dünkt mich", fuhr der Herzog gelassen fort, "wäre ein Kompromiß am Platze. Was meinst du, Richter? Wir steuern mit den flavianischen Gütern Donna Angela Borgia aus und vermählen sie mit dem Erben der Rechtsansprüche der Contrarier, dem liebenswürdigen Grafen Ettore. Unter uns, ich wünsche das Mädchen weg. Sie bringt mich und den Staat Ferrara um unsern unvergleichlichen und unersetzlichen Kardinal Ippolito."

"Ich mag sie auch nicht und wünsche sie in den Mond! Kuppeln wir sie mit dem Pedanten!…" scherzte der Richter mit wüster Heiterkeit, nicht anders, als wäre er trunken.

"Du mußt wissen, mein Herkules", fuhr der Herzog fort, anscheinend ohne sich an dem ärgerlichen Benehmen des Richters zu stoßen, "daß es eigentlich Donna Lukrezia ist, welche ihre Base aussteuert. Die flavianischen Güter bilden ihr Wittum, aber es ist ein unsicherer Besitz, da unsre Gerichte noch nicht endgültig gesprochen haben…

Du hast davon gehört, mein Herkules?"

"Wie sollt ich nicht?" höhnte der Richter, "da ganz Italien davon widerhallte! Wer kann vergessen, wie Papst Alexander von Herzog Herkules überlistet wurde, wie maßlos das alte Laster sich gebärdete und welche unnachsprechlichen Worte es ausstieß, als es sich geprellt sah!"

Und Strozzis Lache dröhnte unter der niederen Wölbung.

Zugleich hörte Angela durch die Mauerluke, an der sie saß, aus dem
nächtlich stillen Hofe herauf den weichen Tenor wieder, dessen
Kantilene sie bewegt hatte, als sie in der Siestastunde vor der
Ankunft des Herzogs mit Lukrezia am Fenster saß. Es war dasselbe
Liebeslied… "Ist es ein mit dem Herzog verabredetes Zeichen, daß
Strozzis Mörder bereit stehen?" fragte sie sich mit klopfendem Herzen.

Von diesem Moment an schien des Richters herausforderndes Wesen dem
Herzog zuviel zu werden.