"So unterhaltend deine Gesellschaft ist, mein Strozzi", sagte er freundlich, "ich muß dich nun entlassen. Du weißt, ich bin heute scharf geritten und, in der Tat, ich fühle mich müde. Wir kommen wohl auf unsern Gegenstand zurück. Glückselige Nacht!"

Und er beurlaubte das Opfer.

Da Strozzi an der im Halbdunkel sitzenden Angela vorüberging und sich hinuntersteigend in die schwacherhellten Schloßgänge vertiefte, blieb diese wie versteinert, denn die unheimliche Lustigkeit Strozzis war ihr ein Vorzeichen seines Untergangs, und die unerschöpfliche Geduld des Herzogs erfüllte sie mit Grauen.

Als sie eine Weile später mit ihrem gefundenen Schlüssel neben dem Herzog stand, der aus dem Archiv getreten war und es abschloß, kehrte der Richter, wie tastend, wieder zurück.

"Ich weiß nicht, wie mir geschieht, Hoheit", stotterte Strozzi, dessen Lustigkeit verschwunden war, "ich finde den Ausgang nicht und bitte um eine Fackel."

Der Herzog rief nach einer, die ein Diener dem Richter vortrug, welcher ihr wankend folgte.

Nun floh Angela in ihre Kammer, die sie in verwirrender Angst fest verrammelte, mit ihren klopfenden Pulsen den Lebensrest des Richters zählend und seinen Todesschrei erwartend.

Da ertönte er—entsetzlich und lang—und drang ihr durch das innerste Mark.

Mit zitternden Händen warf sie einen Mantel um, ergriff ihre kleine
Leuchte, glitt die einsamen Stiegen hinunter und stürzte aus dem
Palast. Hilfe zu bringen?… Nein, sie zu suchen bei Lukrezia, im
Kloster!… Sie wußte nicht, was sie wollte.

An der Ecke der Burg stieß ihre Fußspitze an den Toten. Sie leuchtete ihm ins Antlitz, konnte aber die bleichen, verzerrten Züge nicht lange betrachten.