Don Giulio trat ein mit einer leichten Binde über den Augen, aber mit sicheren männlichen Schritten, von Angela unmerklich an der Hand geführt.

Er erreichte den Herzog, bog das Knie, faßte seine Hand und sprach:

"Bruder, ich habe mich schwer an dir vergangen, da ich dir…" vielleicht wollte er sagen "nach dem Leben stand"—aber der Bruder ließ den Bruder nicht ausreden, sondern hob ihn zu seinem Munde empor, und die Männer küßten sich und überschwemmten sich mit Tränen.

Der Herzog faßte sich bald.

"Mein Wort bleibt!" sagte er. "Du bist mein Gefangener im Umkreis deines weiten Pratello, und diese setze ich dir zur Hüterin."

"Er wird Euer Gebot nicht übertreten", sagte Angela. "Weder dort noch anderswo; denn seinen dunkeln Kerker kann er niemals verlassen. Er trägt ihn überall mit sich."

"Nicht wahr, Bruder", bat Don Giulio, "du tötest mir meinen alten
Mirabili nicht?"

"Was denkst du von mir, Julius? Ich sollte einen Mann töten, der uns die stoische Weisheit gelehrt hat!… Er sitzt wie im Paradiese bei unsern gelehrten Benediktinern in Modena!"

Graf Contrario hatte Mühe, an das zu glauben, was er vor sich sah.
Er empfand nur den dunkeln Trieb, dem leidensvollen Paare etwas
Unangenehmes zu sagen. So warf er noch zwei Steine, die sich aber in
Rosen verwandelten.

Er wandte sich zuerst an den Blinden.