'Und du hast geschwiegen, elende Memme?' donnerte der Minister. 'Ich verachte dich! Du bist ein Lump!'

'Geschrieen habe ich wie einer, den sie morden', rief der Knabe, ''ich war es! ich! ich!' Auch Père Amiel hat sich an den Wolf geklammert, die Unschuld Julians beteuernd. Er hörte es wohl, der Wolf! Aber mir krümmte er kein Haar, weil ich dein Sohn bin und dich die Jesuiten fürchten und achten. Den Marschall aber hassen sie und fürchten ihn nicht. Da musste der Julian herhalten. Aber ich will dem Wolf mein Messer'—der Knabe langte in die Tasche—'zwischen die Rippen stossen, wenn er nicht—'

Der gestrenge Vater ergriff ihn am Kragen, schleppte ihn gegen die Türe, öffnete sie, warf ihn hinaus und riegelte. Im nächsten Augenblicke schon wurde draussen mit Fäusten gehämmert, und der Knabe schrie: 'Ich gehe mit zum Père Tellier! Ich trete als Zeuge auf und sage ihm: 'Du bist ein Ungeheuer!''

'Im Grunde, Fagon', wendete sich der Minister kaltblütig gegen mich, ohne sich an das Gepolter zu kehren, 'hat der Junge recht: wir beide suchen den Pater auf, ohne Verzug, fallen ihn mit der nackten Wahrheit an, breiten sie wie auf ein Tuch vor ihm aus und nötigen ihn, mit uns zu Julian zu gehen, heute noch, sogleich, und in unsrer Gegenwart dem Misshandelten Abbitte zu tun.' Er blickte nach einer Stockuhr. 'Halb zwölf. Père Tellier hält seine Bauerzeiten fest. Er speist Punkt Mittag mit Schwarzbrot und Käse. Wir finden ihn.'

Argenson zog mich mit sich fort. Wir stiegen ein und rollten.

'Ich kenne den Knaben', wiederholte der Minister. 'Nur eines ist mir in seiner Geschichte unklar. Es ist Tatsache, dass die Väter damit anfingen, ihn zu hätscheln und in Baumwolle einzuwickeln. Seine Kameraden, auch mein Halunke, haben sich oft darüber aufgehalten. Ich begreife, dass die Väter, wie sie beschaffen sind, das Kind hassen, seit der Marschall das Missgeschick hatte, sie zu entlarven. Aber warum sie, denen der Marschall gleichgültig war, einen Vorteil darin fanden, das Kind zuerst über die dem Schwachen gebührende Schonung hinaus zu begünstigen, das entgeht mir.'

'Hm', machte ich.

'Und gerade das muss ich wissen, Fagon.'

'Nun denn, Argenson', begann ich mein Bekenntnis—auch dir, Majestät, lege ich es ab, denn dich zumeist habe ich beleidigt—, 'da ich Julian bei den Vätern um jeden Preis warm betten wollte und ihm keine durchschlagende Empfehlung wusste—man plaudert ja zuweilen ein bisschen, und so erzählte ich den Vätern Rapin und Bouhours, die ich in einer Damengesellschaft fand, Julians Mutter sei dir, dem Könige, eine angenehme Erscheinung gewesen. Die reine Wahrheit. Kein Wort darüber hinaus, bei meiner Ehre, Argenson!' Dieser verzog das Gesicht.

Du, Majestät, zeigest mir ein finsteres und ungnädiges. Aber, Sire, trage ich die Schuld, wenn die Einbildungskraft der Väter Jesuiten das Reinste ins Zweideutige umarbeitet?