Sie weigerte sich nicht, und der kleine, aber fest und wohlgebaute
General richtete sich auf den Fußspitzen empor, um die feine weiße
Stirn des hochgewachsenen Mädchens zu erreichen, eine eher komische
als zärtliche Gruppe.

"Bittest du mich nach der Predigt zu Tische, Alter?" fragte Wertmüller.

"Selbstverständlich!" versetzte der gastfreundliche Pfarrer. "Rahel bleibt zu Hause und besorgt die Küche."

Das willige Mädchen fügte mit einem leichten Knickse hinzu: "Wir bedanken uns, Pate!" und eilte in das obere Stockwerk zurück.

"Ich bringe dir etwas mit, Alter", lächelte der General.

"Gewehr?" fuhr der Pfarrer heraus, und seine Augen leuchteten.

Wertmüller nickte bejahend und zog unter dem breiten Schoße seines Sammetrockes ein Pistol hervor. Die vornehme Fasson und der damaszierte Lauf des kleinen Meisterstückes der damaligen Büchsenschmiedekunst stachen dem Pfarrer gewaltig in die Augen. Seine ganze Leidenschaft erwachte. Wertmüller trat mit ihm aus dem dämmerigen Flur durch die Hintertüre der Pfarre in den Garten, um ihn die kostbare kleine Waffe im vollen Tageslichte bewundern zu lassen.

Die ganze Langseite des Hauses war mit einer ziemlich niedrigen Weinlaube bekleidet; an dem einen Ende dieses grünen Bogenganges hatte der Pfarrer vor Jahren eine steinerne Mauer mit einer kleinen Scheibe aufführen lassen, um sich, an dem entgegengesetzten Eingange Posto fassend, während seiner freien Stunden im Schießen zu üben.

"Aus der Levante?" fragte er, sich des Pistols bemächtigend.

"Venezianische Nachahmung. Sieh hier die verschlungene Chiffre
GG—bedeutet Gregorio Gozzoli", rühmte Wertmüller.