'Vater', bat Astorre mit bewegter Stimme, deine Zeit ist um! Dein Stündlein ist gekommen! Entschlage dich der weltlichen Dinge und Sorgen! Denke an die Seele! Siehe, deine Priester'—er meinte die der Pfarrkirche—'sind nebenan versammelt und harren mit den hochheiligen Sterbesakramenten.'
Es war so. Die Tür des Nebengemaches hatte sich sachte geöffnet, aus demselben schimmerte schwaches, in der Tageshelle kaum sichtbares Kerzenlicht, ein Chor präludierte gedämpft, und das leise Schüttern eines Glöckchens wurde hörbar.
Jetzt klammerte sich der Alte, der seine Knie schon in die kalte Flut der Lethe versinken fühlte, an den Mönch, wie weiland Sankt Petrus auf dem See Genezareth an den Heiland. 'Du tust es mir!' lallte er.
'Könnte ich! Dürfte ich!' seufzte der Mönch. 'Bei allen Heiligen,
Vater, denke an die Ewigkeit! Laß das Irdische! Deine Stunde ist da!'
Diese verhallte Weigerung entzündete das letzte Leben des Vicedomini zur lodernden Flamme. 'Ungehorsamer! Undankbarer!' zürnte er.
Astorre winkte den Priestern.
'Bei allen Teufeln', raste der Alte, 'laßt mich zufrieden mit eurem
Geknete und Gesalbe! Ich habe nichts zu verspielen, ich bin schon ein
Verdammter und bliebe es mitten im himmlischen Reigen, wenn mein Sohn
mich mutwillig verstößt und meinen Lebenskeim verdirbt!'
Der entsetzte Mönch, durch dieses grause Lästern im Tiefsten erschüttert, sah seinen Vater unwiderruflich der ewigen Unseligkeit anheimfallen. So meinte er und war fest davon überzeugt, wie ich es an seiner Stelle auch gewesen wäre. Er warf sich vor dem Sterbenden in dunkler Verzweiflung auf die Knie und flehte unter stürzenden Tränen: 'Herr, ich beschwöre Euch, habt Erbarmen mit Euch und mit mir!'
'Laß den Schlaukopf seiner Wege gehen!', raunte der Tyrann. Der Mönch vernahm es nicht.
Wieder gab er den erstaunten Priestern ein Zeichen, und die
Sterbelitanei wollte beginnen.