'So wenig wie über das Lodern einer Flamme', versetzte Ascanio. 'Aber da du kein blindes Element, sondern eine Vernunft und ein Wille bist, so tritt die Flamme aus, sonst frißt sie dich und ganz Padua. Muß dir das Weltkind göttliches und menschliches Gesetz predigen? Du bist vermählt! So redet dieser Ring an deinem Finger. Wenn du, wie erst dein Gelübde, jetzt dein Verlöbnis brichst, brichst du Sitte, Pflicht, Ehre und den Stadtfrieden. Wenn du dir den Pfeil des blinden Gottes nicht rasch und heldenmütig aus dem Herzen ziehst, ermordet er dich, Antiope und noch ein paar andere, wen es gerade treffen wird. Astorre! Astorre!'

Ascanios mutwillige Lippen erstaunten über die großen und ernsten
Worte, welche er in seiner Herzensangst ihnen zu reden gab. 'Dein
Name, Astorre', sagte er dann halb scherzend, 'schmettert wie eine
Tuba und ruft dich zum Kampfe gegen dich selbst!'

Astorre ermannte sich. 'Man hat mir ein Philtrum gegeben!' rief er aus. 'Ich rase, ich bin ein Wahnsinniger! Ascanio, ich gebe dir Macht über mich, feßle mich!'

'An Dianen will ich dich fesseln!' sagte Ascanio. 'Folge mir, daß wir sie suchen!'

'War es nicht Diana, die Antiope schlug?' fragte der Mönch. 'Das hast du geträumt! Du hast alles geträumt! Du warst deiner Sinne nicht mächtig! Komm! Ich beschwöre dich! Ich befehle es dir! Ich ergreife und führe dich!'

Wenn Ascanio die Wirklichkeit verjagen wollte, so führte sie der auf dem Flur klirrende Schritt Germanos zurück. Mit einem entschlossenen Gesicht trat der Bruder Dianens vor den Mönch und faßte seine Hand. 'Ein gestörtes Fest, Schwager!' sagte er. 'Die Schwester schickt mich—ich lüge, sie schickt mich nicht. Denn sie hat sich in ihre Kammer eingeschlossen, und drinnen flennt sie und verflucht ihren Jähzorn—heute ersaufen wir in Weibertränen! Sie liebt dich, nur bringt sie es nicht über die Lippen—es ist in der Familie: ich kann es auch nicht. An dir hat sie keinen Augenblick gezweifelt. Es ist einfach.- Du hast irgendwo einen Ring verschleudert—wenn es der deinige war, den die kleine Canossa—wie heißt sie doch? richtig: die Antiope!—am Finger trug. Die närrische Mutter fand ihn und hat daraus ihr Märchen gesponnen. Antiope ist natürlich an alledem unschuldig wie ein neugeborenes Kind—wer es anders meint, hat es mit mir zu tun!'

'Nicht ich!' rief Astorre. 'Antiope ist rein wie der Himmel! Der
Ring wurde von einem Zufall gerollt!' und er erzählte mit fliegenden
Worten.

'Aber auch der Schwester, die zufuhr, darfst du es nicht anrechnen, Astorre', behauptete Germano. 'Ihr schoß das Blut zu Kopf, sie sah nicht, wen sie vor sich hatte. Sie glaubte die Närrin zu treffen, die ihr die Eltern verhunzte, und schlug die liebe Unschuld. Diese aber muß vor Gott und Menschen wieder zu Ehren und Würden gezogen werden. Laß das meine Sache sein, Schwager! Ich bin der Bruder. Es ist einfach.'

'Du redest in einem fort und bleibst doch dunkel, Germano! Was hast du vor? Wie vergütest du es der Ärmsten?' fragte Ascanio.

'Es ist einfach', wiederholte Germano. 'Ich biete Antiope Canossa meine Hand und mache sie zu meinem Weibe.'