Wulfrin lachte. "Wirklich?" sagte er. "Sie hat einen schönen Begriff von mir. Meine Schwester plündern? Das arme Ding! Im Grunde kann es nicht dafür, daß es auf die Welt gekommen ist. Doch auch von ihr will ich nichts wissen." Während er redete, zählte sein Blick die Jahresringe der jungen Palme. "Fünfzehn Ringe?" sagt er.
"Fünfzehn Jahre", berichtigte Graciosus.
"Und wie schaut sie?"
"Stark und warm", antwortete Gnadenreich mit einem unterdrückten
Seufzer. "Sie ist gut, aber wild."
"So ist es recht. Und dennoch will ich nichts von ihr wissen."
"Sie aber weiß von nichts anderm als von dem fremden, reisigen, fabelhaften Bruder, der sich mit den Sachsen balgt und mit den Sarazenen rauft. 'Wann der Bruder kommt'—'Das gehört dem Bruder'—'Das muß man den Bruder fragen'—davon werden ihr die Lippen nicht trocken. Jedes Hifthorn jagt sie auf, sie springt nach deinem Becher und damit an den Brunnen. Sie wäscht ihn, sie reibt ihn, sie spült ihn."
"Warum, Narr?"
"Weil sie dir ihn kredenzen will und dein Vater sich daraus den Tod getrunken hat."
"Dummes Ding! Du also wirbst um sie?"
Der ertappte Graciosus errötete wie ein Mädchen. "Die Mutter begünstigt mich, aber an ihr selbst werde ich irre", gestand er. "Kämest du heim, ich bäte dich, ein Wort mit ihr zu reden."